Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

...und jetzt noch ein Feierabendziegel?

Die drei Dachziegel zeigen verschiedene Verzierungen.

Drei Flachziegel (Biberschwänze) mit Verzierungen: links mit Sonnen ("Hexenbesen"), Initialen, Sternen, einem Ziegeleisen und der Datierung "1821"; in der Mitte mit Wellenmuster; rechts mit Sternen oder Blüten und eingeprägten Kronen. (Dachziegelarchiv des Fränkischen Freilandmuseums; Foto: Frank Wittstadt)

Die beiden Ziegel weisen verschiedene Verzierungen auf. Der linke Ziegel ist flach, der rechte größer und geschwungen.

Der linke Ziegel ist ein Flachziegel (Biberschwanz) mit Blumenmuster und der Datierung "1803". Der rechte Ziegel ist ein Kremper, der neben dem Namen des Zieglers "Erhardus Dörkes" auch ein Ziegeleisen und die Datierung "1642" zeigt. (Dachziegelarchiv des Fränkischen Freilandmuseums; Foto: Frank Wittstadt)

Als „Feierabendziegel“ werden handgefertigte Ziegel bezeichnet, die vor dem Brennen mit den Fingern, einfachem Ritzwerkzeug oder Stempeln verziert wurden. Aufgrund ihrer Verbreitung verzierte man in Franken vor allem Flach- oder Biberschwanzziegel, seltener Rinnen- und Kremperziegel (hier in einem Exemplar zu sehen). Auch wenn ihre Bezeichnung es vermuten lässt, wurden „Feierabendziegel“ nicht unbedingt am Ende eines Arbeitstages gefertigt. Vielmehr gestaltete man sie zu anderen Anlässen, etwa zu Saisonbeginn oder auf Bestellung. Ein Arbeitstag in der Ziegelei dauerte übrigens bis zu 15 Stunden und warf rund 1000 Ziegel ab.

Die Motive der „Feierabendziegel“ umfassen schlichte Wellen- und Knotenlinienmustern, Inschriften und ganze Texte, detaillierten Blüten- und Beerenmustern, Tiere, Häuser und Figuren oder sogar geprägte Kronen, wie eines der Beispiele zeigt. Die These, dass die verwendeten Muster – zum Beispiel die beliebten Halb- und Viertelsonnen, auch Hexenbesen genannt –  symbolisch für den Schutz vor Unheil standen, ist nicht belegbar.

Manche Ziegel geben auch Auskunft über den Herstellungsprozess: Sie zeigen Namen, Datierungen oder Darstellungen von Werkzeugen. Zu letzteren gehört das Ziegeleisen, ein Rahmen, der dem Ziegel seine Form gibt. Er ist auf dem Kremperziegel neben dem Namen des Zieglers zu erkennen sind.

Im frühen 20. Jahrhundert verschwanden die Feierabendziegel – parallel zum Ende der Ziegeleien, die ihre Erzeugnisse noch ganz in Handarbeit fertigten. Dass heute einige Ziegelhersteller wieder Ziegel verzieren, dient eher der Vermarktung.

Die Ziegel stammen aus dem Dachziegelarchiv der Fränkischen Freilandmuseums. Es erfasst rund 1000 historische Dachziegel, darunter 400 Feierabendziegel mit Motiven aller Art.