Ausstellung: Hans – eine kleine Geschichte vom Glück

05 April-01 August 09:00-18:00 Uhr

Eine Fotoausstellung von Stefan Winkelhöfer

in der Scheune aus Betzmannsdorf, Dachgeschoss | Ostern bis 1. August 2021

schwarz-weiß-Fotografie mit dem Heck eines Traktors, auf dem ein Mann sitzt, auf einer Landstraße Portraitfoto eines alten Mannes mit Karohemd und Hosenträgern vor der Eingangstüre eines alten HausesZwei zerfurchte Hände in Großaufnahme

„Hans, was ist Glück für dich?“
„Woaß i net. Dass i gsund bin und bei meine Viecher im Stall sei derf!“

Stefan Winkelhöfer, ein Fotograf aus Regensburg, wurde auf den Hans eher zufällig im Zuge eines anderen Projekts aufmerksam. Als er ihn zum ersten Mal auf seinem Hof besuchte, war er von seinem einfachen Leben fasziniert, aber auch von seiner Freiheit, seinem Humor und seiner Offenheit, die kaum Berührungsängste kannte.

Winkelhöfer besuchte den Hans immer wieder, fünf Jahre lang. Er unterhielt sich mit ihm, begleitete ihn im Alltag, half ihm bei Arbeiten am Hof. Immer wieder fotografierte er den Hof, die Tiere und die umgebende Landschaft. Und natürlich den Hans selbst, beim Arbeiten, Schlepperfahren, Anschüren, oder einfach nur sein vom Leben gezeichnetes, aber freundliches Gesicht oder seine Hände, die wie Wurzeln erscheinen.

Der Hans war in dieser Zeit bereits über 80 Jahre alt und bewirtschaftete weiterhin den Hof, den er von seinen Eltern geerbt hatte. Er lag und liegt noch immer mitten im Dorf, wirkt aber wie eine Insel für sich. Modernisierungen haben hier nie stattgefunden, der Hans ließ die Dinge gern, wie sie waren. Was er noch brauchte, richtete er wieder her. So wundert es nicht, dass auf dem alten Hof nichts gerade, glatt oder rechtwinklig ist, alles wirkt organisch.

Organisch ist auch Winkelhöfers Blick auf die Dinge, ihre Strukturen und ihre Details. Die Fotografien erscheinen wie mit eigenen Augen gesehen, die Motive haben nichts Gestelltes an sich. Obwohl sie durchgehend in Schwarzweiß gehalten sind, wirken sie warm und lebendig. Sie regen zum Lächeln und zum Nachdenken an, die Frage „Was ist Glück?“ bleibt offen im Raum. Einerseits im Hinblick auf den Hans selbst, der lange allein lebte, Schicksalsschläge erleben musste und es nicht immer leicht hatte. Aber auch für die Betrachter*innen der Fotografien, deren eigenes Leben in einer völlig anderen Welt stattfindet, als das vom Hans. Vielleicht sollte man die Frage auch so formulieren: Was ist Zufriedenheit?

Der Hans ist im Jahr 2017 verstorben. Stefan Winkelhöfer hat ihn bis zum Schluss begleitet – und darüber hinaus. 2020 kehrte er zum Hof zurück, auf dem er alles noch so vorfand, als wäre der Hans kurz zuvor noch dagewesen. Fast alles, denn der Verfall der Gebäude hat inzwischen eingesetzt. Winkelhöfer hat den Hof erneut von innen und außen fotografiert und eine Bildpräsentation zusammengestellt – diesmal in Farbaufnahmen und unter dem Motto „Eine kleine Geschichte vom Traurigsein.“ Sie ist im Freilandmuseum erstmals zu sehen.

In jedem Fall ist sich Stefan Winkelhöfer sicher: Der Hans hätte sich über Ausstellung „gscheid gfreid“. Gefreut hat sich auch das Publikum, denn die Ausstellung war bislang an mehreren Orten zu sehen und immer ein großer Erfolg. Und umso mehr freut es nun auch uns, die Fotografien unseren Besucher*innen präsentieren zu können. Damit knüpfen wir an unsere eigene Fotoausstellung „Was bleibt?“ (2019) an, in der zwei verlassene Hofanlagenn porträtiert wurden.

Zur Ausstellung gibt es ein liebevoll zusammengestelltes Buch, in dem die Fotografien von kurzen Texten von Josef Paukner begleitet werden. Es ist an der Museumskasse und in der Ausstellungsscheune für 20,- € erhältlich.

Ort: Scheune aus Betzmannsdorf, Dachgeschoss
Organisator: Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim