Mehr als heiße Luft: Der Ofen als Kunstwerk
Der Plattenofen am alten Standort in Birnthon. Auf Ofenkasten ist der doppelköpfige Reichsadler zu erkennen. Inv.-Nr. 25/45, im Museum seit Februar 2025. Wir danken Kristina und Holger Richter herzlich für die Spende des Ofens! (Foto: Dieter Gottschalk)
Die Seitenplatten des Ofenaufsatzes zeigen jeweils zwei Wasserfrauen mit einem Springbrunnen als Motiv. (Foto: Dieter Gottschalk)
Vom praktischen Wärmespender zum stilvollen Möbelstück: Die Geschichte des Ofens ist mehr als nur die technische Entwicklung eines funktionalen Heizgeräts. Sie erzählt von Veränderungen der Wohnkultur, modischen Vorlieben und sozialen Hierarchien. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der gusseiserne Plattenofen aus dem Herrensitz Birnthon, der laut Inschrift aus des Jahr 1779 stammt.
In Süddeutschland begann die Verbreitung geschlossener Öfen im 12. und 13. Jahrhundert – sie wurden zum Charakteristikum der „Stube“, die in der Regel der einzige beheizte Raum im Bauern- und Bürgerhaus war. Die Feueröffnung befindet sich meist auf der Rückseite – in der Regel in der angrenzenden Küche. So blieb die Stube frei von Rauch und Ruß.
Unser Ofen ist ein durchaus typisches Beispiel für einen barocken Plattenofen, wobei die Platten aus Gusseisen oder als großformatige Kacheln mit graphitierter Oberfläche gefertigt wurden – in letzterem Fall wird eine hochwertige Metalloberfläche nachgeahmt. Solche Plattenöfen waren vor allem in der Oberschicht zu finden, also in Schlössern und Herrensitzen wie eben in Birnthon. Doch auch in wohlhabenden städtisch-bürgerlichen und bäuerlichen Haushalten sind aufwendige und repräsentative Öfen anzutreffen. Die künstlerische Gestaltung ist gleichermaßen Ausdruck von Status und Zugehörigkeit.
Der Ofen aus Birnthon ist weitgehend aus Gusseisen gefertigt. Die Frontplatte des Ofenkastens zeigt den doppelköpfigen Reichsadler des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, der im 18. Jahrhundert auf vielen Öfen in Franken zu finden war. Das Ofenaufsatz zeigt das Porträt eines Mannes, während die Seitenplatten kunstvolle Darstellungen von Wasserfrauen bieten, die einen Springbrunnen flankieren. In der Ikonografie werden sie häufig als Spenderin von Leben, Schutz und Segen gedeutet.
Der Ofen reiht sich im Museum in die umfangreiche Sammlung an Kachel- und Eisenöfen, Einzelkacheln sowie Herden aller Art ein, die sieben Jahrhunderte abdeckt. Die große Vielfalt zeigt sich auch bei den zahlreichen Öfen, die in den Museumshäusern eingebaut sind.
Weiterführende Literatur | Konrad Bedal: Ofen und Herd in Franken und der Oberpfalz. Kontinuität und Wandel der Formen und Nutzungen 1200–1960 (= Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim, Band 98). Bad Windsheim 2024. (erhältlich im Online-Kaufladen des Freilandmuseums sowie an der Museumskasse)







