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Was für 'ne Marke!

Einblicke in die Keramiksammlung | Folge 4

Die Marke zeigt ein Wappen. Auf dem Wappen ist eine Iris-Blume. Unter dem Wappen steht Bavaria.

Gedruckte Marke der Porzellanfabrik Waldsassen Bareuther & Co., blau unterglasur, um 1920–1945. Wappenschild mit Iris, angelehnt an das Wappen von Waldsassen, daneben die Buchstaben „B“ und „C“ für „Bareuther & Co.“. Auf keramischen Objekten sind überwiegend „Unterglasurmarken“ aufgebracht, die sich nur schwer fotografieren lassen und erscheinen unscharf erscheinen. (Foto: Susanne Grosser)

Die Marke ist rund. Sie zeigt ein Segelschiff. Dazu steht Altenkunstadt und Germany.

Gedruckte Marke der Porzellanfabrik Altenkunstadt Karl Nehmzow, schwarz aufglasur, ab ca. 1960. Das Segelschiff verweist auf die Herkunft des ehemaligen Schiffsingenieurs Karl Nehmzow aus Hamburg. (Foto: Susanne Grosser)

Die Marke ist eingepresst. Sie nennt die Stadt Amberg.

Eingepresste Marke der Steingutfabrik Amberg, um 1840–1911. (Foto: Susanne Grosser)

„Na, Du bist mir vielleicht ’ne Marke!“ – Bekommt man dies umgangssprachlich von einer anderen Person zu hören, so gibt sie damit zu verstehen, dass man in ihren Augen etwas ‚speziell‘, aber auch, durchaus positiv gemeint, außergewöhnlich ist. Diese seit dem 20. Jahrhundert geläufige Redewendung hat ihren Ursprung vermutlich in Herstellermarken. Denn sei es bei aktuell angesagter Mode oder schon bei alter Keramik: Auf dem Produkt platzierte Markenzeichen informieren, unter anderem als Schutz gegenüber der Konkurrenz, nicht nur darüber, durch wen die Ware hergestellt wurde, sondern sie vermitteln dem Kunden bzw. Käufer stets auch das gute Gefühl, damit etwas ganz Besonderes zu erwerben.

Freilich ist die Tradition, Keramik zu signieren bzw. mit einer Marke zu versehen, bei weitem nicht so alt wie die Keramik selbst, deren Ursprünge bis weit in die Vorzeit zurückgehen. Frühe Marken finden sich in Europa auf Majolika bzw. Fayence des 15. und 16. Jahrhunderts, wobei es sich hier vorwiegend noch um mit der Hand bzw. dem Pinsel ausgeführte ‚Unterschriften‘ der sich so auf ihrem Werkstück verewigenden Künstler handelte. Dagegen lassen sich am Boden des industriell aus Steingut und Porzellan gefertigten Geschirrs des 19. und 20. Jahrhunderts häufig – wenn auch keineswegs immer – Fabrikmarken entdecken, die nicht zuletzt auch aufgrund von Zollbestimmungen angebracht und gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich zunehmend gesetzlich geschützt wurden.

Diese Fabrikmarken sind oft mit Gummistempeln, zumeist unter der Glasur, farbig aufgedruckt, manchmal aber auch mit sog. „Blindstempeln“ farblos eingepresst. In Zeichen und Symbolik orientieren sie sich gern am Namen des Herstellers oder am Herstellungsort, z. B. an dessen Wappen. Da sehr viele Hersteller zudem im Lauf der Zeit ihre Marke zumindest in Details immer wieder veränderten, können die Marken auch bei der Datierung von Keramik helfen.

Doch nicht selten gleicht die Identifizierung und Einordnung von Keramikmarken einer Art Detektivarbeit: Zwar gibt es einige Nachschlagewerke, aber sie können unmöglich die immense Zahl von Marken in sich fassen, die größere und kleinere Produzenten im Lauf von Jahrhunderten gebrauchten. Und selbst das Internet liefert trotz mittlerweile recht zahlreicher Online-Bestandskataloge von Museen und Einträgen passionierter Sammler bei weitem nicht alle Antworten. So bleibt die Recherche aufwendig und nicht immer erfolgreich – aber stets spannend…

 

Quellen/Literatur:

J. G. Th. Graesse und E. Jaennicke: Führer für Sammler von Porzellan und Fayence, Steinzeug, Steingut usw. Berlin 1919 [15. Auflage].

Jana Kybalová: Keramikmarken aus aller Welt. Überblickskatalog zur schnellen Zuordnung von Keramikerzeugnissen aller Art. Regenstauf 2012 [2. Auflage].

Robert E. Röntgen: Deutsche Porzellanmarken von 1710 bis zur Gegenwart. Regenstauf 2021 [7. Auflage].

https://www.redensarten-index.de/ [letzter Aufruf: 20.12.2023]