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Wurden Sie schon einmal in die Mangel genommen?

Es sind zwei Bretter. Sie haben Griffe. Beide Bretter sind verziert. Sie zeigen Muster, Sterne, Herzen, Blumen, Jahreszahlen und Buchstaben.

Mangelbretter, auch Mangbretter genannt, Inv.-Nr. 21/10 und 21/11, aus dem Altbestand des Freilandmuseums. Beim rechten Beispiel kann man mit dem Griff über dem Brett und dem zusätzlichen Knauf besonders gut Druck ausüben. (Foto: Frank Wittstadt)

Die Mangelbretter sind noch einmal näher zu sehen. Sie sind stark verziert. Sie zeigen Muster, Blumen, Ranken, Sterne, Jahreszahlen und Buchstaben.

Detailaufnahme der reichen Verzierungen. (Foto: Frank Wittstadt)

Falls nicht, haben Sie Glück gehabt – und doch ist Ihnen die Redewendung mit Sicherheit bekannt. Sie geht zurück auf eine historische Methode des Wäscheglättens. Das sogenannte Mangel- oder auch Mangbrett war der Vorläufer des modernen Bügeleisens. 

Die beiden Mangelbretter sind auf der Oberseite mit zahlreichen Schnitzereien und Einritzungen verziert. Zu sehen sind Pflanzen, Blüten, Herzen und geometrische Muster. Direkt oberhalb des Griffes des einen Brettes sind in einem Rahmen die Buchstaben „K N“ und die Jahreszahl „1828“ eingearbeitet. Bei dem anderen Brett ist „J. C. E.“ und „1825“ zu lesen.

Bei einem Mangelbrett ist der Griff entweder in der Verlängerung des Brettes angebracht oder er befindet sich auf dessen Oberfläche. Zusätzlich benötigte man zum Glätten von Wäsche oder Stoffen noch eine runde Stange, das Rollholz. Der zu glättende Stoff wurde zunächst leicht befeuchtet und anschließend zu seinem Schutz in ein weiteres Tuch eingeschlagen. In dieser Form wickelte man den Stoff nun fest um das Rollholz. Mithilfe des Mangelbrettes wurde das Rollholz jetzt unter Druck hin und her gerollt und dadurch die Wäsche geglättet. So erklärt sich auch die Redewendung: Wenn wir jemanden „in die Mangel“ nehmen, üben wir Druck auf die Person aus.

Es stellt sich die Frage, warum ein so stark beanspruchter Gebrauchsgegenstand so aufwendig und detailreich gearbeitet ist. Der Grund dafür liegt in einer vor allem ländlichen Tradition. Hier war es lange üblich, dass sich die Brautleute zur Verlobung oder Hochzeit sogenannte Liebesgaben schenkten. Diese hatten unter anderem die Funktion die Rechtmäßigkeit der Ehe zu belegen. Häufig waren das alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Geschirr oder eben Mangelbretter.

Ein Mangelbrett für die Braut wurde meist entweder von ihrem zukünftigen Ehemann oder von ihrem Vater oder Bruder gefertigt. Für gewöhnlich wurden auch ihre Initialen und das Jahr der Hochzeit eingearbeitet. Bei unseren vorliegenden Mangelbrettern lässt sich demnach vermuten, dass eine „K.N.“ im Jahr „1828“ und eine „J.C.E.“ im Jahr „1825“ geheiratet haben. Allerdings verwendete man zum tatsächlichen Mangeln wohl eher einfachere Bretter – die verzierten stellte man lieber demonstrativ in den Wohnräumen aus.