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"Stahlhaus" aus Nerreth

20. Jahrhundert

Die MAN entwickelte ab 1946 Fertig-Stahlhäuser, um auf die Wohnungsknappheit der Nachkriegszeit zu reagieren. Das MAN-Stahlhaus aus Nerreth, mit Zentralheizung, Einbauküche und Sanitäreinrichtung sehr modern ausgestattet, gehört noch zu den Prototypen und wurde von einem leitenden MAN-Mitarbeiter mit seiner Familie bewohnt. Bereits 1953 stellte man die Serienproduktion ein: Die Häuser waren relativ teuer, der Baustoff Stahl galt als wenig »wohnlich«.


Eckdaten

Hausnummer:201
Ursprung:Nerreth, Markt Wendelstein, Landkreis Roth
Bauepoche:1949 (Baueingabeplan), hergestellt von der MAN in Ginsheim-Gustavsburg (Hessen)
Ausstellung:Bauzeit, Einrichtung der 1950er bzw. 1960er Jahre
Konstruktionsmethode:eingeschossiger Stahlskelettbau mit Blechverkleidung, Satteldach mit Blechverkleidung
Abbau:2005
Aufbau:2007-2011
Baugruppe: 20. Jahrhundert
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Besonderheiten

Häuser aus Stahl

Tatsächlich ist die Idee, Häuser aus Stahl zu bauen, nicht neu. Bereits um 1840 wurde vereinzelt der Werkstoff Stahl beim Wohnungsbau verwendet und erfuhr in den 1920er Jahren mit den Werks- und Wohnsiedlungen der Deutschen Stahlhaus AG sogar eine kleine Blüte. Zur gleichen Zeit experimentierten auch die MAN-Werke mit Stahlhäusern, doch erst nach 1946 wurde ernsthaft versucht, eine Stahlbau-Fertighaus-Produktion aufzubauen. Angesichts der Wohnungsknappheit nach dem Krieg (und dem Fehlen von Rüstungsaufträgen) sah man wohl einen großen Markt für solche Fertighäuser, die ab 1950 im Stahlwerk Gustavsburg bei Mainz in Serie gingen – aber sich nicht durchsetzten. Die Fertigung wurde 1953 eingestellt, nach etwa 230 Häusern. Gründe dafür mögen die vergleichsweise hohen Kosten für die Häuser sowie die schlechte Akzeptanz des Baustoffes Stahl gewesen sein, die Zeit der Fertighäuser kam erst später, mit anderen, wohl wohnlicher erscheinenden Materialien.


Beschreibung

Das 20. Jahrhundert im Museum

Mit dem Stahlhaus aus Nerreth hielt das 20. Jahrhundert Einzug ins Fränkische Freilandmuseum. Schon seit längerem haben Bauten des Industriezeitalters ihren Weg in die Freilichtmuseen gefunden. Denn auch wenn ihr Anblick neben Bauernhäusern und Fachwerkscheunen manchen Besucher irritiert, so steht ihre Relevanz als Zeugnisse der jüngeren Vergangenheit außer Frage. Aber ein Haus aus Stahl?

 

Durchdachte Konstruktion

Das MAN-Stahlhaus ist nach dem Baukastenprinzip konzipiert: industriell gefertigte Bauteile, die nach Bauherrenwunsch kombiniert und leicht montiert werden konnten. Das Aufrichten des Rohbaus auf einem bestehenden Fundament sollte einen Arbeitstag nicht überschreiten. Die Hausbreite von 8 m war durch die stählernen, frei überspannenden Dachbinder vorgegeben, die Länge dagegen variabel. Das statische Rückgrat des Gebäudes bilden die 20 cm starken Außenwandmodule, die miteinander und über Winkeleisen mit dem Fundament verschraubt sind. Sie bestehen aus Eisenrahmen, die außen mit Stahltafeln belegt sind. Innen ist ein Holzrahmen angeschraubt, an dem wiederum ein 5 cm dickes Isolationspaket befestigt ist. Abgeschlossen wird der Wandaufbau durch eine Hartfaserplatte, die gestrichen oder tapeziert werden kann.

 

Luxus im Innern

Im Innern setzt sich die Modularität fort: Der Grundriss baut auf einem Grundraster von 0,5 m² auf und konnte fertig geplant ab Werk bestellt oder aber individuell gestaltet werden. Zur Grundausstattung gehörten neben Türen und Fenstern auch Decke, Boden und Kamin, ein Doppelspülbecken in der Küche, ein WC im Badezimmer und eine einfache Elektroinstallation. Darüber hinaus konnten – wie im Falle des Stahlhauses aus Nerreth – weitergehende Ausbaustufen geordert werden, mit Badezimmer, Einbauküche und -schränken, Zentralheizung und elektrischem Kühlschrank – Ende der 1940er Jahre großer Luxus und top modern.

 

Ein Stahlhaus in Nerreth

Noch aus Kriegszeiten besaß die MAN ein Areal mitten im Wald beim kleinen Weiler Nerreth. 1949 errichtete der Konzern ein Stahlhaus mit flachgeneigtem Blechdach für seinen Verwalter der dortigen Liegenschaften. Es handelt sich dabei noch um einen frühen Prototyp, bestehend aus bereits verwendeten Bauteilen, vielleicht sogar aus Teilen des Musterhauses, das 1948 auf der Hannover-Messe vorgestellt worden war. Ein 1.000 m² großer Nutz- und Ziergarten umgab das Haus, bot für mehrere Mietergenerationen ein ländliches Idyll, ehe sich die MAN fast 50 Jahre nach der Errichtung entschloss, das Haus zu verkaufen. Der neue Besitzer hatte für das Stahlhaus keine Verwendung mehr, plante stattdessen auf dessen Keller einen Neubau. Er ahnte aber, dass es sich um etwas Besonderes handeln könnte, und bot dieses einmalige Zeugnis des frühen industrialisierten Hausbaus dem Freilandmuseum an.

 

Wiederaufbau

Der vorgefundene Zustand war wenig ermutigend: Unter den versprödeten Farbschichten kam großflächig Rost zum Vorschein. Außerdem hatte das Haus bei umfangreichen Renovierungsarbeiten in den 1980er Jahren einige signifikante Ausstattungselemente wie die originellen Senk-Schiebefenster, die Innentüren sowie Badezimmerinstallationen und die Einbauküche eingebüßt. Doch konnte dank akribischer Recherche und mit Hilfe von Vergleichsbeispielen der Erbauungszustand erfolgreich wiederhergestellt werden. Die Einrichtung dagegen stammt noch überwiegend von den letzten Bewohnern und wurde in den 1950er und 1960er Jahren angeschafft.


Bilder


Bilder vom Ursprung



Summary (English)

The Stahlhaus (steel house) from Nerreth, built in 1949, is currently the youngest building at the museum. From 1946 onwarts, MAN developed ready-built homes made from steel in a bid to address the housing shortage of the post-war yearsin Germany. The example here was one of the prototypes and was equipped with modern central heating, fully fitted kitchen and bathroom. At the time it was used as a home for high-ranking MAN employees. In 1953, production of the steel houses ceased, as steel was found to be lacking in 'homeliness' and proved unsuitable as a building material for homes. The Stahlhaus at the museum serves to document historic approaches to building construction from the more recent past.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Note: 2
  • Eingangsbreite: 78 cm
  • Eingangsschwelle: 13 cm und 3 Steinstufen mit Geländer
  • Eingang über Terasse: Breite 80 cm, ebenerdig: Türöffnung muss beim Museumsdienst angemeldet werden
  • Terasse kann über eine Rampe erreicht werden
  • Innenräume: alle Türen 77 cm breit und mit einer Schwelle von 2 cm
Fotoaufnahme des Eingangsbereichs vom Stahlhaus aus Nerreth am aktuellen Standort. Drei Treppenstufen mit Geländer an beiden Seiten führen zur geöffneten Tür. Diese ist überdacht, am Fenster daneben hängt ein Blumenkasten mit blühenden Geranien.

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