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Bauernhaus aus Seubersdorf

Regnitzfranken - Frankenalb

Das Gebäude wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1684 wieder aufgebaut. 1858 wurde der vergrößerte Stall mit böhmischem Gewölbe versehen. Die original eingerichtete Stube zeigt den Wohlstand des späten 19. Jahrhunderts. Über der Stube wurde um 1860 die ausgemalte Schlafkammer ausgebaut.


Eckdaten

Hausnummer:58
Ursprung:Seubersdorf, Gemeinde Dietenhofen, Landkreis Ansbach
Bauepoche:1684 (Jahrringdatierung, Jahreszahl auf Dachziegel), umgebaut u.a. 1837 und 1858
Ausstellung:Um 1900
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Fachwerkbau, Nordseite und Westgiebel später massiv erneuert; Satteldach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:1980
Aufbau:1980-1982
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Museums-Landwirtschaft

Zentrum der Museumslandwirtschaft ist die Hofanlage um das Bauernhaus aus Seubersdorf. Von hier aus werden die Acker- und Wiesenflächen bewirtschaftet und die Tiere in den Stallungen oder im Auslauf versorgt. Insgesamt sind etwa 30 ha Fläche in landwirtschaftlicher Nutzung, ein Drittel davon als Ackerfläche, zwei Drittel als Wiesen und Weiden.

 

Historische Aspekte der Museumslandwirtschaft sind die kleinen Schlagflächen, ein hoher Anteil an Sonderkulturen wie beispielsweise Wein, Flachs und Hanf, die Düngung mit Mist, der hohe Anteil an Handarbeit und der Einsatz von Zugtieren sowie kleineren Schleppern. Ein kleiner Teil der Ackerfläche wird als Dreifelderwirtschaft mit Schwarzbrache bebaut.

 

Weiterhin werden ökologische Aspekte berücksichtigt, rechtlicher Rahmen ist die EG-Öko-Basisverordnung. Mineraldünger und konventionelle Pflanzenschutzmittel kommen nicht zum Einsatz. Die kleingliedrige Flächenaufteilung mit einem dichten Netz an Hecken, Fließgewässern, Teichen und Streuobstbeständen fördert Wildtierarten wie Schleiereulen und Feldhasen. An den Ackerrändern wird im Rahmen eines Schutzprojektes eine Vielzahl gefährdeter Ackerwildkräuter gezielt erhalten. Der Tierbestand ist geprägt durch gefährdete, regionale Rassen wie beispielsweise Triesdorfer Rinder und Fränkische Landgänse. Struktur und Bewirtschaftungsweise führen zu einem Bild, das den Eindruck einer historischen Kulturlandschaft vermittelt.


Beschreibung

Ein Opfer des Dreißigjährigen Krieges

Hs.-Nr. 1 in Seubersdorf war einer der großen und bedeutenden Höfe des Dorfes, 1640 wird er folgendermaßen beschrieben: einHoff alß behaußung[= Haus], ein Stadel, ein Hofheuslein, Hoffrait[=Hofplatz]; weiterhin an Landbesitz 70 Morgen Feld, 7 Tagwerk Wiesen, was zusammen etwa 25 ha entspricht. Tatsächlich aber stand es 1640 nicht gut um den Hof, denn an anderer Stelle heißt es: von1632 biß dato eingefallener Hoff. Das Jahr 1632 war für Mittelfranken eines der schlimmsten während des gesamten Dreißigjährigen Krieges. Damals traf bei der Schlacht an der Alten Veste bei Zirndorf das Heer Gustav Adolfs von Schweden auf das kaiserliche Heer Wallensteins. Unmittelbar danach soll das umliegende Land gut zur Hälfte leer von Menschen und von Gütern gewesen sein. Auch Hs.-Nr. 1 in Seubersdorf wurde damals, vermutlich von kaiserlichen Soldaten, zugrunde gerichtet.

 

Ein verzögerter Wiederaufbau

Die Zerstörung des Hofes war offenbar noch gründlicher als in vergleichbaren Fällen. 50 Jahre blieb das Anwesen unbebaut liegen, erst im Jahre 1682 hatHannß Kürberden seit 1632öeden Hoff auß herrschafftl. händen erkauft. In den Markgraftümern galten im Allgemeinen zwei Jahre Schonfrist für Steuern beim Neuanfang. Innerhalb dieser Zeit musste der Aufbau der Gebäude erfolgen. Diese Frist beanspruchte vermutlich auch Hans Kürber, denn gerade noch rechtzeitig, 1684, wurde das Haus erbaut. Im Frühsommer 1684 wurde jedenfalls das Holz zum Bau gefällt (Jahrringdatierung), Ende des gleichen Jahres war das Haus dann wohl unter »Dach und Fach«, da beim Abbau allein zehn Dachziegel mit der Jahreszahl 1684 geborgen wurden, einer übrigens mit den Initialen »H K« (wohl als Hans Kürber zu lesen). Innerhalb eines knappen halben Jahres stand also das respektable Gebäude, die Bauzeit war kurz, kaum länger als heutzutage bei einem Bau in vergleichbarer Größe.

 

Ein konservativer Neubau

Der Dreißigjährige Krieg bedeutete einen Stillstand, aber keine kulturelle Zäsur. Man schloss beim Wiederaufbau weitgehend an die Vorkriegsbauweise an, meist nur mit einem bescheideneren Äußeren. Das wird beispielsweise deutlich, wenn man den an sich schlichten Fachwerkgiebel des Seubersdorfer Hauses mit dem reichen Nordgiebel der – übrigens gleich breiten – Unterschlauersbacher Mühle (55) von 1601 vergleicht; mit den K-Streben und den Andreaskreuzen steht er sogar fast dem älteren Unterschlauersbacher Südgiebel von 1576 näher. Alle Innenwände waren 1684 Fachwerk, das Dach noch nicht weiter ausgebaut. Auch der Westgiebel hatte ursprünglich sichtbares Fachwerk, das erst im 18./19. Jahrhundert von außen her eine Bruchsteinvorblendung erhielt, wie sie auch im Museum zu sehen ist.

 

Umbauten im 19. Jahrhundert

Von der Geschichte des Hofes im 18. Jahrhundert ist bis auf die Namen der Besitzer (bis 1775 weiterhin die Familie Karber bzw. Kürber, dann Weiß) nichts bekannt. Ob die aufgemalten Zahlen 17 und 38 an zwei Sparren auf einen Umbau im Jahr 1738 hindeuten, bleibt unklar. Die großen Umbauten erfolgten offenbar erst im 19. Jahrhundert unter der Familie Weißfloch, die den Hof zwischen 1830 und 1903 innehatte. Ob bereits mit der Ausmalung der Stube 1837 (Inschrift an der Wand) durch Johann (Georg) Leonhard Weißfloch eine größere Umgestaltung (z. B. der Einbau des Kabinettla) verbunden war, lässt sich nicht mehr feststellen. Spätestens 1858, als Simon Weißfloch den Hof übernahm und nach der erhaltenen Jahreszahl der Außenanstrich des Hauses erfolgte, scheint ein grundlegender Umbau im Stallbereich stattgefunden zu haben: Dieser bestand v. a. im Einbau Böhmischer Gewölbe (vgl. 84), in der Zusammenfassung der bisher getrennten Pferde- und Rinderställe sowie der Vergrößerung des Stallraums insgesamt.

 

Wohlstand spiegelt sich wider

Simon Weißfloch muss angesichts eines Grundbesitzes von 174,4 Tagwerk (= 52,2 ha) ein wohlhabender Mann gewesen sein – für Franken ein ganz enormer Besitz, selbst dann, wenn sehr viel Wald dabei war und der Boden dort nicht ertragreich ist. In dieser Zeit waren viele Dienstboten auf dem Hof: ein Groß- und ein Kleinknecht sowie ein Stallbub (der »Schores«), eine Groß- und eine Kleinmagd (bis 1920), die alle untergebracht werden mussten. Etwa zur gleichen Zeit wie der Stallneubau wurden daher auch die Wohnräume im Haus grundlegend umorganisiert. Waren sie bisher nur im Erdgeschoss vorhanden, konnte die Wohnfläche durch den Ausbau des Dachgeschosses nahezu verdoppelt werden. Die große Schlafkammer wanderte vom Erd- ins Dachgeschoss über die Stube (1935 noch mit einem Ofen versehen), im Erdgeschoss wurde dafür eine Mägde- und Vorratskammer eingerichtet. Ganz neu war die Obere Stube über der ehemaligen Schlafkammer, die zum Einstellen der »guten« Möbel und als Gästezimmer diente.

 

Im Museum

Seit den größeren Umbauten im 19. Jahrhundert hat sich das Haus kaum mehr verändert, seit etwa 1965 war es schließlich nicht mehr bewohnt. Entsprechend zeichnet sich das Seubersdorfer Haus im Museum durch seinen hohen Grad an historischer Authentizität aus. Denn nicht nur die bauliche Erscheinung entspricht bis auf zwei Ausnahmen (die Eingangstür und das Küchenfenster) völlig dem vorgefundenen Zustand, sondern auch die farbige Behandlung von Wänden und Einbauten richtet sich allein nach erhaltenen Befunden. Schließlich wurde auch die Möblierung der Räume aufgrund eingehender Befragung der letzten Bewohner ermittelt, ein relativ großer Teil der Möbel und Gegenstände stammt sogar noch aus dem Haus und stand einst tatsächlich an der gleichen Stelle. Präsentiert wird folglich der Zustand um 1900 bis 1920, der so oder ähnlich auch noch für die Jahrzehnte vor 1900 Gültigkeit hat.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Events

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  • So, 11 Dez 2022 | 16:00 - 17:30 Uhr
  • Konzerte, Lesungen, Theater
  • Bauernhaus aus Seubersdorf

Summary (English)

The building was destroyed in the Thirty Years' War and rebuilt in 1684. In 1858 a bohemian vault construction was added to the enlarged barn. The originally furnished parlor shows the wealth of the late 19th century. Above the parlor, a bedchamber was built in 1860.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

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