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Bauernhaus aus Unterlindelbach

Regnitzfranken - Frankenalb

Das Bauernhaus aus Unterlindelbach, 1696 erbaut, ist in seiner breiten Anlage mit Steilgiebel ein charakteristisches Gebäude für das nördliche Nürnberger Umland im Übergang zur Fränkischen Schweiz. 1778 erfolgten ein Austausch der Stubenwände und die Vertäfelung der Kammer. Im Dachraum kann der Verlauf des gewinkelten Schlots nachvollzogen werden. Eine Ausstellung informiert über Obstbau.


Eckdaten

Hausnummer:64
Ursprung:Unterlindelbach, Gemeinde Igelsdorf, Landkreis Forchheim
Bauepoche:1696 (Jahrringdatierung), umgebaut 1778 (Inschrift)
Ausstellung:Weitgehend nach Umbauphase 1778, Stall im Zustand um 1920/30
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Fachwerkbau, Außenwände im Stallbereich nachträglich massiv erneuert, Satteldach mit Biberschwanz-Einfachdeckung, im Bereich der Dachgeschosswohnung Doppeldeckung
Abbau:2005-2006
Aufbau:2009-2013
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Krieg und Frieden – Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg

Kein historisches Ereignis hatte so nachhaltige Auswirkungen auf die ländliche Bevölkerung wie der Dreißigjährige Krieg. Die heftigsten Kämpfe fanden in Franken in den Jahren 1632–34 statt. Ganze Dörfer wurden dabei dem Erdboden gleichgemacht, in Eltersdorf bei Erlangen beispielsweise standen von einstmals 64 Bauernhäusern nur noch sieben. Die Zahl der Kriegsopfer ging ins Unermessliche: Für den gesamten fränkischen Raum ist in jenen Jahren von einem Bevölkerungsverlust von 40 bis 50 Prozent auszugehen. Erst allmählich kehrten die überlebenden Dorfbewohner – die vielfach in der nahen und unversehrt gebliebenen Reichsstadt Nürnberg Schutz gesucht hatten – auf ihre zerstörten Höfe zurück. Während des Krieges und danach richteten sich viele Bauern zunächst einmal in halbwegs unzerstörten oder provisorisch instandgesetzten Nebengebäuden ihrer Höfe wohnlich ein, vor allem in Hofhäusern bzw. Hofkästen, aber auch in Scheunen oder gar in Stallungen, wie es für den Nürnberger Raum überliefert ist: In Kleinreuth hinter der Veste baute der Bauer Fritz Degen laut Waldamtsakten in seinen Schweinestall eine Interimswohnung und Herdstett [= Herdstatt] bis bessere und Friedenszeiten sich ereignen mögen. Es dauerte oft Jahrzehnte, manchmal sogar fast 100 Jahre, bis auf den Ruinengrundstücken wieder Bauernhäuser errichtet wurden. Zahlreiche Gebäude aus dieser lang anhaltenden Wiederaufbauphase stehen auch im Freilandmuseum, z. B. die Bauernhäuser aus Zirndorf von 1669–71, Burgbernheim von 1680, Seubersdorf von 1684, Unterlindelbach von 1696 und Reichersdorf von 1697, oder der Stadel aus Dechsendorf von 1680.


Beschreibung

Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg

Fast 50 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ließ Konrad Sporer 1696 den Bauernhof errichten, der bis in die jüngste Zeit auch als »Sporerhof« bezeichnet wurde. Der Vorgängerbau war – wie so viele Bauernhöfe in der Region – im Krieg zerstört worden. Das Land war entvölkert, die wenigen Überlebenden hausten jahrzehntelang in Notunterkünften, richteten sich in Scheunen oder Stallungen ein. Der geregelte Wiederaufbau vieler Bauernhöfe kam oft erst um 1700 oder sogar noch später in Gang. Dann jedoch entstanden Gebäude von stattlicher Größe, so auch in Unterlindelbach. Zeitgleich erbaute Konrad Sporer eine bis heute am alten Standort stehende große Scheune, die für den Abbau und Wiederaufbau im Freilandmuseum vorgesehen ist. Wohnhaus und Scheune hatten zur Erbauungszeit noch eine Strohdachdeckung, erst später erfolgte die Deckung mit Ziegeln.

 

Breites Haus

Bautypologisch handelt es sich um ein »Breites Haus«, wobei sich diese Bezeichnung jedem sofort erschließt, der unmittelbar vor dem mächtigen Giebel steht: Breit, behäbig liegt das Haus da, innen mit großzügigem Grundriss, vor allem mit einem ausgesprochen geräumigen Flur, durch den einst das Vieh hinein- und hinausgeführt wurde, d. h. Mensch und Tier hatten den gleichen Weg durchs Haus. Auch Pferde gehörten früher zum Hof, es gab im Haus einen eigenen Pferdestall. Das Breite Haus ist ein Phänomen vor allem im weiteren Umkreis um Nürnberg. Dort ist auch das Fachwerkbild beheimatet, das sich am Giebel zeigt, mit den verdoppelten Fußstreben, die es bis weit ins 19. Jahrhundert als Schmuckfachwerk gegeben hat, zu sehen auch beim Hopfenbauernhaus aus Eschenbach und dem Hopfenstadel aus Thalheim. Hopfen wurde übrigens auch in Unterlindelbach angebaut, wie die kleine Lüftungsgaube im Dach verrät.

 

Umbau und »Verprächtigung« im Jahr 1778

Georg Sporer, ein Nachfahre des Erbauers Konrad Sporer, führte 1778 mehrere Umbaumaßnahmen durch: Die Wände der Stube ließ er auswechseln und anschließend vertäfeln. Vertäfelt wurde auch die gegenüberliegende Kammer, die zudem eine eigene Treppe ins Dachgeschoss erhielt. Im Dachgeschoss hat man damals, um 1778, eine recht großzügige Wohnung eingerichtet mit Stube und Schlafkammer – vielleicht als Austrag für den Altbauern. Die ausgesprochen dekorative rote Fachwerkfarbigkeit am Giebel und im Flur stammt ebenfalls aus dieser Umbauphase in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hinter den aufgemalten grünen Streifen als Rahmung der Gefache am Giebel verbirgt sich das für damalige Verhältnisse edle und teure Farbpigment Malachit.

 

Steine statt Holz im 19. Jahrhundert

Die augenfälligen sog. Doggersandsteinquader im Stallbereich haben wohl erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das bauzeitliche Fachwerk ersetzt, als die Hölzer wegen der Stallausdünstungen schadhaft geworden waren. Vielleicht ist damals auch der eigene Stallzugang an der Nordseite geschaffen und etwa zeitgleich das gesamte Fachwerk vollständig überputzt worden. Steine bestimmten auch die Gestaltung der Wohnstube: Die Vertäfelung wurde damals durch eine Ziegelvormauerung mit hochkant vermauerten und verputzten Backsteinen ersetzt – eine Art Innendämmung, imAbstand von einigen Zentimetern den Außenwänden bzw. der Wand zum Flur vorgeblendet. An der Wand beim Stubenofen, der aus einem Bauernhaus in der 20 km von Unterlindelbach entfernten Ortschaft Obertrubach (Lkr. Forchheim) stammt und um 1840 entstanden ist, zeigt sich dieser (rekonstruierte) Zustand der Vormauerung. Schon immer gemauert und vollständig eingewölbt war dagegen die angrenzende Küche, von der aus der Stubenofen geschürt wurde.

 

Dachwohnung mit »Dämmung«

Zur Dachwohnung gehört eine große Stube mit einem um 1820 entstandenen Kachelofen aus Hutschendorf (Lkr. Kulmbach): Die mannigfaltige Wandgestaltung mit Schablonen- und Walzenmustern ist in der Stube mittels Befundfenster gut dokumentiert. Im Kontrast zur großen Stube steht die winzige Küche in der Abseite, deren Herdblock original aus dem Haus ist. Für eine gewisse Behaglichkeit sorgt in einer geräumigen Dachkammer des Unterlindelbacher Hauses eine Art »Dämmung«, die das Eindringen von Zugluft verhindert: Die Dachschräge ist mit angenagelten Brettern versehen, die Dachziegel sind auf dieser Dachseite im Bereich des ersten Dachgeschosses doppelt gelegt, wie man im Befundfenster, aber vor allem beim Blick von außen auf das Dach erkennen kann. Ansonsten weist die Kammer eine aufwändige Decken- und Wandgestaltung auf und ist mit zwei Betten und einer Truhe eingerichtet. Letztere stammt aus der Gegend von Kulmbach in Oberfranken und wurde 1696 angefertigt – also im Baujahr dieses Hauses.

 

Prall, saftig, süß

Das Hauptthema im Haus aus Unterlindelbach ist der Obstanbau, dem sich eine Dauerausstellung im Gebäude widmet. Genauer gesagt geht es um den Obstanbau in der Fränkischen Schweiz, schließlich stammt das Haus aus dem kleinen, südwestlich von Gräfenberg gelegenen Ort Unterlindelbach. Schwerpunkt der Ausstellung ist der Süßkirschenanbau, der prägend war für die gesamte Region. Auch die früheren Besitzer des Hauses besaßen einen Kirschgarten.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The farmer's house from Unterlindelbach, erected in 1696 is a characteristical building for the Northern hinterland in the transition zone to Franconian Switzerland. With its broad, three-story gable it seems very spacious even from the outside. In 1778, the parlor walls and the paneling of the chamber were exchanged, the former straw roof received bricks. In the attic, the route of the angled chimney can be seen. Additionally, an exhibition deals with the Franconian fruit production, rounded up by a cherry garden near the house.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja
  • Eingangsbreite: 102 cm
  • Eingangsschwelle: Schwellenüberbrückung angebracht
  • Erdgeschoss zugänglich
  • Schwellenüberbrückung für Kammer, Stube sowie Küche vor Ort angebracht
  • Breite Türen Innenräume: Kammer links 94 cm, Stube 88cm, Küche 86cm, Pferdestall 84cm
  • Ausstellung im 1. OG leider nur über 14stufige Treppe zu erreichen.
  • Boden Innenräume: eben; Tennen: grobes Pflaster, Küche: Fliesen, Stube + Kammer: Holzboden
  • Hof: feiner Schotter bzw. Pflaster
Fotoaufnahme des Haupteingangs vom Bauernhaus aus Unterlindelbach am aktuellen Standort. Vor der Schwelle der geöffneten Holztür liegt eine Rampe.  An der Hauswand rechts im Bild wurde ein Geländer aus Holz angebracht.
Fotoaufnahme des Eingangs zum Kuhstall aus Unterlindelbach am aktuellen Standort. Die Holztür ist nach außen geöffnet. Der Boden im Inneren ist gepflastert, das Dach mit Sechseck-Flachziegeln gedeckt.
Fotoaufnahme des Eingangs zur Küche im Bauernhaus Unterlindelbach am aktuellen Standort. Vor der Schwelle der Holztür liegt eine Rampe. Der Boden ist gepflastert.
Fotoaufnahme der Tür zur Stube im Bauernhaus aus Unterlindelbach am aktuellen Standort. Vor der Schwelle der Holztür liegt eine Rampe. Im Raum dahinter steht eine Bierzeltgarnitur.

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