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Dörrhäuschen aus Schlichenreuth

Regnitzfranken - Frankenalb

Im Obstdörrhäuschen aus Schlichenreuth in der Fränkischen Schweiz (Inschrift 1908) wurden einst vor allem Äpfel und Birnen gedörrt. Der winzige Fachwerkbau enthält im Innern eine von außen zu schürende Feuerstelle, über der auf Stangen die »Zentla«, die geflochtenen Hürden mit dem klein geschnittenen Obst, eingeschoben werden.


Eckdaten

Hausnummer:76
Ursprung:Schlichtenreuth, Stadt Gräfenberg, Landkreis Forchheim
Bauepoche:1908 (Inschrift)
Ausstellung:wie vorgefunden
Konstruktionsmethode:Fachwerkbau, Satteldach mit Biberschwanz-Einfachdeckung
Abbau:1985
Aufbau:1986
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Obstbau in Franken

"In den Obstgärten der Dörfer, auch in manchen Gegenden auf dem freien Felde, findet man durchgängig die schönsten gepelzten oder eingeimpften Birn, Aepfel, und Zwetschgenbäume von allerley ausgesuchten Sorten. Die Frankengegend aber zeichnet sich noch überdies durch den häufigen Anbau besonders schmakhafter, großer Weichsel, Amorellen, Zwetschgen, Aprikosen und Pfirsinge aus." (Johann Bernhard Fischer: Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, Ansbach 1790).

 

Obst war lange Zeit ein wertvolles Nahrungsmittel und eine vitaminreiche Ergänzung zum sonstigen Speiseplan. Obstbäume mit edlen Sorten zäunte man als »Baumgärten« zum Schutz vor Diebstahl ein und Obstbaumfrevel wurde hart bestraft. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts spielte Obst als Süßungsmittel eine wichtige Rolle. Birnen, die zu den wärmebedürftigen Obstarten gehören, wurden oft direkt ans Haus gepflanzt und hier als Spalier an der Hauswand gezogen. Straßenränder und auch zahlreiche Äcker waren mit Obstbäumen bepflanzt. Bei der Feldbestellung mit Tieren waren die Hochstamm-Bäume kein großes Hindernis und der Wert des Obstes stand dem der Feldfrucht in nichts nach. Streuobstwiesen fanden erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts weitere Verbreitung, als den Einwohnern dorfnaher Gemeindegrund zur Verfügung gestellt wurde und mancherorts die Obrigkeit das Pflanzen von Bäumen verordnete. Für den Winter wurde lagerfähiges Obst in den kühlen Kellern aufbewahrt oder aber durch Dörren im Backofen oder im eigenen Dörrofen (vgl. 76) haltbar gemacht. Mit Hilfe von Obstmühlen und -pressen stellte man Säfte her, besonders Zwetschgen, Kirschen und Birnen eigneten sich außerdem zum Schnapsbrennen. Als Anfang des 20. Jahrhunderts industrieller Rübenzucker zur Verfügung stand, wurden das Einwecken und das Marmelade Einmachen üblich.


Beschreibung

Obstkonservierung

Obstbäume prägten in hohem Maße die alte Kulturlandschaft und waren eine wichtige Nahrungsquelle. Durch Trocknen, durch Darren oder Dörren war es möglich, die Ernte für den Winter haltbar zu machen. In der kalten Jahreszeit gehörte Dörrobst zur alltäglichen Nahrung – meist als Beikost zu Kartoffel- und Mehlspeisen – und machte einen wesentlichen Teil des Vitaminangebots aus. Das Dörren geschah im Allgemeinen im Haus- oder Gemeindebackofen oder auch im oder über dem Stubenofen. In Gegenden mit größerem Obstbau aber, wie in der südlichen Fränkischen Schweiz, gab es in manchen Höfen eigene kleine Obstdörrhäuser im Freien, etwas abseits der Wohn- und Wirtschaftsgebäude gelegen.

 

Funktionsweise eines Dörrhauses

Ein derartiges Dörrhaus funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Es enthält im unteren Bereich eine nach allen Seiten geschlossene Feuerstelle, die von außen geschürt wird – gleich einem kleinen Backofen. Darüber werden im Innern auf Stangen geflochtene Holzroste gestapelt, die sogenannten »Zentla«, auf denen die klein geschnittenen Äpfel und die ganzen Birnen und Zwetschgen ausgebreitet werden. Das Dörren erfolgt durch heiße Luft, mit dem Rauch der Feuerstelle kommt das Obst nicht in Berührung. Das Dörren dauert etwa drei Tage, wobei immer Holz nachgelegt, das Feuer bewacht und das Obst umgeschichtet werden muss. Ein langsames, gleichmäßiges Dörren ist wichtig, sonst verbrennt oder zerplatzt das Dörrgut. Aufbewahrt wurde das Dörrobst dann in Truhen auf dem Dachboden mit speziellen Fächern für die einzelnen Sorten.


Bilder


Summary (English)

The small fruit-drying house from Schlichenreuth in Franconian Switzerland (with an inscription from 1908) was once primarily used to dry apples and pears. The tiny half-timbered building includes a fireplace within, that can be stirred up from the outside. Above this fire, the bars with the „Zentla“, holding the cut fruit, are dried.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

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