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Hopfenstadel aus Thalheim

Regnitzfranken - Frankenalb

Der Hopfenstadel aus Thalheim bei Alfeld wurde 1819 erbaut. Er ist ein mächtiger Fachwerkbau mit drei doppelten liegenden Stühlen übereinander unter einem sehr steilen Satteldach. Der hohe, vier geschossige Giebel weist auf die vier übereinander liegenden Böden zum Hopfenlagern und -trocknen hin.


Eckdaten

Hausnummer:68
Ursprung:Thalheim, Gemeinde Happurg, Landkreis Nürnberger Land
Bauepoche:1819 (Jahrringdatierung, Inschrift)
Ausstellung:wie vorgefunden
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Fachwerkbau, Stall nachträglich massiv eingebaut, Satteldach mit Biberschwanz-Einfachdeckung
Abbau:1982
Aufbau:1989-1992
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Hopfenanbau in Franken

Hopfen wurde in Franken einst sehr intensiv angebaut. Ein überregional wichtiges Zentrum seit jeher ist das Spalter Gebiet, wo der Hopfenanbau schon im 14./15. Jahrhundert als bedeutend belegt ist. Kein Wunder, dass Nürnberg das Hopfenhandelszentrum der Welt war. Lange Zeit gleichbedeutend als Hopfenanbaufläche war das Land um Hersbruck (sog. Hersbrucker Gebirgshopfen) und auch der mittlere Aischgrund um Neustadt besaß bis um 1940 größere Anbauflächen. Vor allem im 19. Jahrhundert nahm der Hopfenanbau in Franken einen großen Aufschwung, der sicher im Zusammenhang mit dem verstärkten Bierkonsum und dem Rückgang des Weinbaus steht. Da der Hopfen nur wenig Anbaufläche für relativ hohen Ertrag (auch finanziell) benötigte, war er gerade für kleinere Höfe ideal. In einem Büchlein von 1813 heißt es:

 

""Es hat aber der Hopfen das Empfehlende, dass er auf wenig Land den reichsten Ertrag liefert, wie keine andere Fruchtgattung, selbst den Gemüsebau nicht […]. Wer nur 5 Tagwerk Land hat kann schon ein Tagwerk, wer 10 Tagwerk Land hat, eben soviel, und wer 50 Tagwerk Land hat, 2 Tagwerk zum Hopfen verwenden und dieser Hopfen trägt mehr als die anderen vier oder neun oder 48 Tagwerke mit Getreide. Denn erst hat die Entziehung des 5. oder gar 20. Teils Landes auf die übrige Landwirtschaft gar keinen Einfluss […]. Nur muss man hierbei auf alle vorstehenden Bedingungen der Lage Rücksicht nehmen, denn die Lage bedingt die Fruchtbarkeit der Hopfenpflanze, wie Umgebung so den Untergrund. Hat man nun ein solches Grundstück, das diesen Bedingungen entspricht, so soll man es ohne weiteres zur Hopfenanlage verwenden, selbst wenn es der Hausgarten ist. Allerding ist es besser, wenn man sein Hopfenfeld so nahe als möglich, in der Nähe der Wohnung hat […].""

 

Der Anbau barg aber auch Risiken, denn Missernten oder Preisstürze waren häufig. Im Hersbrucker Land wurde der Hopfen am längsten an einzelnen Hopfenstangen gezogen, wie es auch im Museum wieder geschieht. Höhepunkt des Hopfenjahrs war die »Pflücke« der Dolden im September, die mit einem gemeinsamen Essen, dem »Niederfall«, beschlossen wurde.


Beschreibung

Traditioneller Fachwerkbau

Trotz seines relativ jungen Alters steht der Hopfenstadel aus Thalheim noch ganz in der Holzbautradition des 16./17. Jahrhunderts im östlichen Nürnberger Land: mit weiten Gefachen, kleinen, zwischen die Riegel gespannten Fenstern, geschweiften Andreaskreuzen unter ihnen und vom gleichaltrigen Eschenbacher Haus her bekannten verdoppelten Fußstreben. Der über einem profilierten Gesims vorkragende Giebelschopf gibt dem Bau sogar ein fast (reichs-)städtisches Gehabe des 16. Jahrhunderts.

 

Lagern und trocknen im Dachraum

Der hohe, viergeschossige, sehr steile Giebel mit seinen sog. Hopfengauben hat freilich auch ökonomische Gründe, denn so lassen sich auf gleicher Grundfläche mehr Böden einbauen – Böden zum Hopfenlagern und -trocknen. Mit den drei doppelten liegenden Stühlen übereinander entspricht der Innenbau dem aufwändig gezimmerten Straßengiebel. Dagegen ist der rückwärtige Giebel nur schlicht verbrettert.

 

Stadel für den Hopfenbauernhof

Im Museum nimmt der Hopfenstadel aus Thalheim den Platz des zum Eschenbacher Haus gehörenden, erst 1869 errichteten und bereits eingestürzten Stadels ein. Dieser besaß ebenfalls vier Böden übereinander und ziemlich genau das gleiche Bauvolumen. Am Hang gebaut, ähnlich dem alten Standort, übertrifft die Wirkung des monumentalen Fachwerkbaus die des zugehörigen Wohnhauses. Beim Wiederaufbau orientierte man sich weitgehend am vorgefundenen Zustand, d. h. auch der wohl im 20. Jahrhundert eingebaute Kuhstall, der die ursprüngliche Dreischiffigkeit im Innern empfindlich stört, wurde beibehalten.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The hop-barn from Thalheim near Alfeld was erected in 1819. It is a mighty half-timbered building with three doubled trusses under a very steep gabled roof. The high, four-story gable indicates the four floors designed for the storage and drying of hop. The permanent exhibition about „hopgrowing in Franconia“ leads you from the ground-floor up to the second drying-truss.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja

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