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Kleinbauernhaus aus Zirndorf

Regnitzfranken - Frankenalb

Das Kleinbauernhaus aus Zirndorf (bei Fürth) wurde 1679 erbaut. Um 1800 wurde der traufseitig erschlossene, eingeschossige Bau weitgehend mit Sandsteinen erneuert und nach Westen um zwei Meter verlängert. Die sparsam eingesetzten Zierformen wie die sog. »Schnecken« am Dachfuß und die bekrönenden Vasen strahlen eine klassisch anmutende Gediegenheit aus.


Eckdaten

Hausnummer:62
Ursprung:Stadt Zirndorf, Landkreis Fürth
Bauepoche:1669-1671 (Jahrringdatierung), verlängert 1802 (Jahrringdatierung)
Ausstellung:19. Jahrhundert
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Fachwerkbau, um 1800 weitgehend massiv erneuert, Satteldach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:2002
Aufbau:2002-2005
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Frühe Vorbilder: Stadtbauten – herrschaftliche Bauten

Analysiert man die Stilformen genauer, wird schnell klar, dass die Vorbilder ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Tatsächlich finden sich um 1600 in Nürnberg und an herrschaftlichen Bauten der Umgebung ähnliche Sandsteingiebel, auch die Voluten – umgangssprachlich auch als Schnecken bezeichnet – an den Seiten. Sie waren wohl Vorbild für die bäuerlichen Sandsteinbauten des Nürnberger Umlandes, und vielleicht hat sogar der Maurermeister Georg Michael Wening mit seinem eigenen Haus eine Art Musterhaus gebaut, um potentiellen Kunden seine Fähigkeiten zu zeigen. Jedenfalls ist das Quaderwerk sehr exakt gearbeitet, mit z. T. messerscharfen Fugen.


Beschreibung

Ein fast herrschaftliches Gebäude?

Betrachtet man die anspruchsvoll gestalteten steinernen Westgiebel des Hofes, die erst im Museum so richtig zur Geltung kommen, würde man eher auf einen wohlhabenderen Besitzer schließen, vielleicht auch auf ein herrschaftliches Nebengebäude tippen. Doch es handelte sich rechtlich gesehen »nur« um einen Zehntelshof, die gewählte Bezeichnung Kleinbauernhof ist also fast noch übertrieben. Grundbesitz fehlte weitgehend, nur ein Gemeinderecht war vorhanden, wie sich nach den Eintragungen in der Besitzfassion von 1806, dem ersten Verzeichnis nach dem Übergang an Bayern, ergibt. Das Haus halb von Stein, heißt es da weiter, und diese Beschreibung passt durchaus, denn Sandstein prägt nur einen Teil des Hauses. Die rückwärtigen, nach Osten ausgerichteten Giebel von Haus und Stadel sowie die Innenwände weisen noch Fachwerk auf.

 

Haus und Hof einer Maurerfamilie

Der Widerspruch zwischen Aussehen und Besitztitel des Anwesens erklärt sich aus der Besitzergeschichte. Um 1800, als die Sandsteinfassaden an das ältere, einst offenbar reine Fachwerkhaus des 17. Jahrhunderts »vorgeblendet« wurden, war das Gebäude im Besitz der Maurerfamilie Wening (auch Wenig). Das Bauernhaus aus Seubersdorf war unterkellert, besaß aber auch einen separaten Erdkeller. 1808 wird Georg Michael, nunmehr Maurermeister, als Alleinbesitzer geführt. Und tatsächlich finden sich seine Initialen »GMW« sowohl am Haus sowie – gleich zweifach – am Stadelgiebel. So kann man wohl davon ausgehen, dass er nicht nur der Besitzer, sondern auch der Baumeister der Sandsteingiebel von Haus und Stadel war, zumal er zusammen mit seinem Bruder 1806 einen Sandsteinbruch bei Zirndorf gekauft hatte (auf dem Johannis- bzw. Hennßleinsberg).

 

Bauen mit Sandsteinquadern – ein regionaler Baustil

Aus großen Sandsteinen sorgfältig gefügte Wände sind in den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach durchaus verbreitet. Mit ein Grund für die Beliebtheit des Massivbaus in dieser Gegend ist sicher das Vorkommen des relativ witterungsbeständigen, aber trotzdem gut bearbeitbaren Burgsandsteins, der in vielen Brüchen schon seit dem Mittelalter abgebaut wird. Ab dem 17. Jahrhundert lassen sich vereinzelt auch bäuerliche Sandsteinquaderbauten nachweisen, doch so richtig durchsetzen konnte sich die Massivbauweise auf dem Dorf erst gegen Ende des 18. und vor allem im frühen 19. Jahrhundert. In dieser Zeit etablierte sich das, was man gerne als den Baustil des Knoblauchslandes charakterisiert hat: ein Sandsteinquaderbau mit Steingiebel, der sich durch sparsam eingesetzte Zierformen auszeichnet, etwa durch Voluten am Dachfuß oder durch bekrönende Vasen am First. Zu diesem Baustil zählen auch die Giebel des Zirndorfer Hauses und des Stadels – und zwar jenseits des eigentlichen Knoblauchslandes.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The peasant house from Zirnforf (near Fürth) was erected in 1679. Around 1800, the eaves-sidely developed, single-floor building was renewed mostly with sandstone and extended for two meters in the west. The sandstone-ashlar is worked very exact, with razor-sharp joints. The sparely used decoration forms like the so called „snails“ around the roof and the crowning vases represent an aura of classic tastefulness.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

Die gesamte Hofanlage wird derzeit saniert, eine möglichst barrierereduzierte Ausgestaltung ist vorgesehen.


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