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Köblerhaus aus Schwimbach

Regnitzfranken - Frankenalb

Das Köblerhaus aus Schwimbach bei Hilpoltstein wurde 1715 erbaut und mehr mals umgebaut, zuletzt 1903. Der Giebelerker, also der seitliche Dachausbau für die »Schöne Kammer«, ein Repräsentationsraum, ist typisch für das 19. Jahrhundert. Von der ursprünglichen Ausstattung konnte ein großer Teil übernommen werden, u. a. auch der Ofen von 1842.


Eckdaten

Hausnummer:77
Ursprung:Schwimbach, Markt Thalmässing, Landkreis Roth
Bauepoche:1715 (Jahrringdarierung), erweitert 1840, 1860, 1903
Ausstellung:Um 1905
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Fachwerkbau, Außenwände des Erdgeschosses teilweise nachträglich massiv erneuert, Satteldach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:1985
Aufbau:1985-1988
Baugruppe: Regnitzfranken - Frankenalb
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Besonderheiten

Kalte Pracht: Obere Stube – Schöne Kammer

In vielen Häusern des Museums findet sich im Obergeschoss ein Raum, dessen Funktion für heutige Verhältnisse recht ungewöhnlich erscheint: die Obere Stube, die Gute Stube oder auch die sog. Schöne Kammer. Es war ein Raum kalter Pracht, ungeheizt und eigentlich auch unbewohnt (nur in Ausnahmefällen schlief hier Besuch) und trotzdem reich ausgestattet, zumeist mit dem Aussteuergut der Frau, d. h. prall mit Textilien gefüllten Schränken und Kommoden. Beim Köblerhaus aus Schwimbach waren leider nur noch Reste vorhanden. Glücklicherweise konnte das Museum aber auf die vollständig erhaltene Ausstattung einer »Schönen Kammer« in Ruppmannsburg (Lkr. Roth), heute ein Ortsteil von Thalmässing, zurückgreifen. Seit der geschmückte »Kammerwagen« zur Hochzeit der Maria Auernhammer 1933 die Aussteuer der Braut zum Hof des Mannes brachte, blieb dort alles unversehrt erhalten - mit sämtlichem Zubehör bis hin zum Wandschmuck und der gesamten Kleidung (vor allem Röcke, Schürzen, Mieder, Hauben), der Bett- und Tischwäsche und dem Geschirr. Die eingerichtete Kammer vermittelt ein eindringliches Bild von den Normen und Zwängen bäuerlichen Wohnens (bzw. Nicht-Wohnens!) in den Dörfern des südlichen Mittelfrankens, wie sie z. T. noch weit bis nach dem Zweiten Weltkrieg gegolten haben – und wenn es ein modernes Schlafzimmer, nur zum Vorzeigen, aus dem Versandhauskatalog war.


Beschreibung

Wurzeln im Mittelalter

Das Anwesen mit dem Hausnamen beim »Geiger-Beck« lässt sich, wie fast alle Höfe in Schwimbach, bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Erstmals wird es 1427 genannt. Es ist ein seltener Fall, dass für ein ganzes Dorf solche lückenlose Besitzerlisten möglich sind. Dies ist hauptsächlich den ungewöhnlichen Herrschaftsverhältnissen zu verdanken: Von 1383 bis 1790 gehörte das ganze Dorf zum Heilig-Geist-Spital in Nürnberg, dessen sorgfältig geführtes Archiv sich bis heute unversehrt erhalten hat. Das Haus selbst ist freilich nicht so alt, wurde 1715 errichtet, also lange nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ob der Vorgängerbau ein Opfer des Krieges war, ist nicht bekannt. Jedenfalls war der Ort damals fast entvölkert und der Wiederaufbau wurde im großen Umfang durch Exulanten aus Österreich geleistet – eine Feststellung, die für weite Teile Mittelfrankens gilt und die auch auf einige Häuser im Museum zutrifft.

 

Typische Umbauten des 19. Jahrhunderts

Sein heutiges Aussehen erhielt das Wohnstallhaus erst im 19. Jahrhundert. Zwei wichtige und sehr typische Veränderungen lassen sich durch die erhaltenen Baupläne glücklicherweise exakt belegen: die Vergrößerung des Stalles durch den seitlichen Anbau eines gemauerten Stallflügels 1840 und der Bau eines Zwerchgiebels als seitlicher oberer Dachausbau 1860, der offenbar 1903 erneuert wurde. Diese An- und Umbauten wurden beim Wiederaufbau im Museum bewusst mit übernommen, sind doch solche Maßnahmen im 19. Jahrhundert zu Hunderten ausgeführt worden. Während der geschilderten baulichen Veränderungen war das Anwesen mit 17,3 Tagwerk (= 5,9 ha) Land im Besitz von Leonhard Ellinger, der es 1835 um 900 Gulden von seinem Schwiegervater übernommen hatte und dessen Name sich auch am gusseisernen Ofen (aus dem Hüttenwerk in Obereichstätt) von 1842 wiederfindet.

 

Aus dem Alltag früherer Bewohner

Ein Stück Alltag in diesem Haus wird in einer aktenkundigen Begebenheit aus dem Jahr 1778 deutlich, die sich um den Ofen dreht: ""Es war nemlich der Hans Leonhard Bart [der damalige Hausbesitzer] nebst seiner Magd in das Holz gegangen […] und ließ sein Weib zur Besorgung des Mittagsmahls und Aufsicht über die Kinder im Hause zurück. Das Weib beschäftigte sich auch mit der Zubereitung des Essens, welches sie im Stubenofen kochte. Während dieser Beschäftigung vermißte sie ihre beeden Kinder, und aus Sorge, dass sie nicht am Wasser oder einem gefährl. Ort kommen möchten, ging sie ihnen nach und fand sie endlich nach Verlauf einer halben viertel Stunde in eines Nachbars Haus. Als sie zurück kehrte fand sie ihre Stube mit dickem Rauch angefüllt. In Angst rief sie sogleich Leute und ließ Sturm schlagen. Dies brachte denn ganz natürlich das ganze Dorf auf […] hatte aber auch die heilsame Würkung, dass innerhalb etl. Minuten der Rauch mit seinem Ursach vernichtet war. Es waren diese etliche Kinderbettstücke, welche die Bartin zum trocknen um den Ofen gehangen und etliche Schleißspäne, welche naß über den Ofen, um zu einer Feuerung auf dem Herde zugebrauchen, waren gelegt und beim Hinweggehen und suchen nach den Kindern warn vergessen worden. Sie fingen an zu glimmen und diese machten den erschröcklichen Dampf. Keine Flamme war nicht gesehen, auch war nicht das mindeste an Zimer angebrant."" Zum Glück, andernfalls stände dieses Haus heute kaum im Museum! Der jungen »Bartin« wurde übrigens die an sich fällige »Pön« (Strafe) auf Fürbitte des Pfarrers (von dem der Bericht stammt) erlassen.

 

Räume und Interieur

Aus der Bauzeit hat sich im Haus kaum etwas an Inventar bewahrt. Im Museum zu sehen ist der Zustand des frühen 20. Jahrhunderts. Dafür konnte auf die weitgehend erhaltene Ausstattung im Haus zurückgegriffen werden, nicht nur Möbel, sondern auch kleinste Details, wie Schuhlöffel, Hut, Rasierzeug. Besonderer Wert wurde auch auf die farbige Gestaltung mit Schablonenmalereien gelegt, wie sie in fast allen Räumen des Erdgeschosses in vielen Schichten nachzuweisen war. Dank der Übertragung in großen Wandteilen sind sogar viele Originalbefunde erhalten geblieben. Für den Besucher sind sie freilich unter einem Neuanstrich mit alten Farben und Mustern verborgen. Am reichsten gestaltet ist die Obere Stube im Zwerchgiebel über der Wohnstube im Erdgeschoss: mit einem »mehrschlägigen« (mehrfarbigen) Muster, das sich über die ganze Wandfläche hinzieht, sogar die Decke hat in der Mitte ein kleines blaues Ornament.

 

»Schöne Kammer« und »Kleine Stube«

Die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert obligatorische Obere Stube heißt in der Gegend um Thalmässing die »Schöne Kammer« – ein Name, der die Funktion noch besser umreißt als der sonst gebräuchlichere Begriff der »Oberen Stube«. Der Zwerchgiebel wurde beim Umbau 1860 nur deswegen errichtet, um diesen Raum im Obergeschoss zu gewinnen. Solche Umbau- bzw. Erweiterungsmaßnahmen im Dachbereich sind für das 19. Jahrhundert typisch, obwohl es durchaus auch wesentlich ältere Beispiele für asymmetrisch ausgebaute Obergeschosse in Franken gibt. Daneben besitzt das Schwimbacher Haus eine weitere Stube, zumindest seit 1840, denn damals ist dieser Raum bereits im Bauplan eingetragen: eine »Kleine Stube«, die als heizbares Austragszimmer diente. Sie befindet sich etwas versteckt im Erdgeschoss, nur von der tonnengewölbten Küche aus zugänglich.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The smallholder house from Schwimbach near Hilpoltstein was erected in 1715 and rebuilt several times, lastly in 1903. The pediment, the lateral roof extension for the „Schöne Kammer“, a representational room, is typical for the 19th century. Large parts of the original interior could be taken over, e.g. the oven from 1842.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

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