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Seldenhaus aus Obermässing

Altmühlfranken

Das Seldenhaus aus Obermässing (Kreis Roth) besitzt einen Kern von 1661 und erhielt 1871-1878 seine heutige Gestalt. Selden bzw. Sölden ist die Bezeichnung für kleine Hofstellen, ähnlich Köblern und Häckern in anderen Teilen Frankens. Zur Geschichte des Hauses gehört auch ein Kriminalfall...


Eckdaten

Hausnummer:88a
Ursprung:Obermässing, Stadt Greding, Landkreis Roth
Bauepoche:1660-1668 (Jahrringdatierung), Umbau 1871 (Jahrringdatierung), Erweiterung 1876 (Bauplaneingabe)
Ausstellung:Nach 1876
Konstruktionsmethode:Eingeschossiger Bau mit massivem Erdgeschoss und verputztem Fachwerkobergeschoss, Satteldach mit Biberschwanz- und Zwicktaschen-Einfachdeckung (gemischt)
Abbau:1991
Aufbau:1993/2002-2009
Baugruppe: Altmühlfranken
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Besonderheiten

»Brandmetzger«

1930 erwarb Baptist Krotter das Seldengut. Er war »Brandmetzger«, nahm also Hausschlachtungen in Obermässing und Umgebung vor. Der Begriff »Brandmetzger« verweist auf einen speziellen Arbeitsschritt des Metzgers, nämlich das Abbrennen der Borsten beim geschlachteten Schwein. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, als noch viele Nebenerwerbslandwirte ein paar Schweine im Stall stehen hatten, waren Hausschlachtungen gängige Praxis. Heutzutage ist der Metzger, der vom Schlachten, Zerlegen bis hin zum Wursten alles vor Ort erledigt, ein seltener Anblick. Im Stadelteil des Seldenhauses dokumentiert eine kleine Ausstellung die Arbeit des Brandmetzgers.


Beschreibung

Seldenhaus des 19. Jahrhunderts

Der Begriff »Selde« bzw. »Sölde« bezeichnet eine kleine Hofstelle, in anderen Teilen Frankens als Köbler- oder Häckergüter bekannt. Das Seldenhaus aus dem eichstättischen Pfarrdorf Obermässing ist ein spätes Beispiel für diesen Haustyp. Wie beim benachbarten Haus aus Heidenheim, vereint es Wohnung, Stall und Scheune unter einem First, wie es für die kleinen Leute im südlichen Mittelfranken, vor allem im 19. Jahrhundert typisch war. In seiner jetzigen Form stammt es erst von 1871/72, hat aber einen älteren, um 1680 datierten Kern im Erdgeschoss und einen etwas jüngeren, breiten Zwerchgiebel von 1876.

 

Historismus auf dem Land

Bei aller sonstigen Bescheidenheit besitzt dieser Zwerchgiebel mit dem relativ weit ausladenden Dach und den rundbogigen Giebelfensterchen darunter eine durchaus »modische« Komponente in der Art des sog. Gebirgsstils bzw. Schweizerstils, wie er in Bayern und weit darüber hinaus damals beliebt war. Zu dieser Spielart des Historismus passen auch die auffallenden, reich ausgesägten Ortgangbretter mit Bekrönungen, die sich zwar nicht im Original erhalten haben, die aber mit Hilfe der historischen Baupläne und nach Befragung der Nachbarn für das Museum rekonstruiert werden konnten.

 

Zeugnis katholischer Volksfrömmigkeit

Eine weitere Besonderheit sind zwei auf Holz gemalte Heiligenbilder, die in beide Giebel eingesetzt sind. Diese Zeugnisse katholischer Volksfrömmigkeit – auf dem Steilgiebel ein Herz-Jesu-Motiv, im Zwerchgiebel die Heilige Familie – sind seinerzeit vom Besitzer des Hauses, dem »Faßmaler« (= Handwerker, der Holzfiguren farbig fasst) und Schreinergesellen Josef Beng(e)l, gemalt worden, wie die Familienüberlieferung weiß. Er hat auch Altarbilder für die Obermässinger Kirche und für umliegende Wegkapellen gefertigt. Heiligenbilder und Heiligenfiguren am und im Haus waren im katholischen Franken einst fast selbstverständlich, sind aber heute nur noch in Mainfranken häufiger zu finden. Im Haus erinnert heute eine kleine Werkstatt an das Handwerk des Josef Bengl.

 

Kapitalverbrechen im Seldenhaus

Dramatische Szenen spielten sich am 28. Februar 1921 im Seldenhaus ab: Der Bader Max Berschneider erschoss damals seine Ehefrau sowie seine Schwiegermutter und verletzte seinen Schwager schwer. Das Motiv des Täters laut damaligem Zeitungsbericht: Familienzwist. Zwölf Jahre verbüßte Max Berschneider im Zuchthaus in Eichstätt – ehe er wieder zurückkam nach Obermässing, neu heiratete und gut integriert in die Dorfgemeinschaft sein altes Leben wieder aufnahm.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The small farmer's house from Obermässing (Roth District) has a core from 1661 but did not receive its current look until the time from 1871 to 1878. „Selden“ or „Sölden“ is a term for relatively small farmyards, similar to „Köbler“ or „Häcker“ in other parts of Franconia. The dormer with the relatively sprawling roof and the round-arched gable window adds a rather fashionable component in the style of the „Gebirgsstil“. Another peculiarity are the pictures of saints that are painted on wood.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

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