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Hofbrauhaus aus Kraisdorf

Mainfranken - Frankenhöhe

Im 1699 erbauten und mehrfach umgebauten Hofbrauhaus aus Kraisdorf wurde bis um 1960 noch Bier für den Eigenbedarf gebraut. Hier gibt es noch keine mechanischen Einrichtungen zum Rühren und Befördern, alle Arbeiten mussten noch mit der Hand erledigt werden. Einrichtung und Gerätschaften sind vollständig erhalten geblieben.


Eckdaten

Hausnummer:40
Ursprung:Kraisdorf, Gemeinde Pfarrweisach, Landkreiß Haßberge
Bauepoche:1699 (Jahrringdatierung), Umbau 1793 (Inschrift), 1841 (Jahrringdatierung)
Ausstellung:wie vorgefunden
Konstruktionsmethode:eingeschossiger Massivbau, Halbwalmdach mit Rinnenziegeldeckung
Abbau:1994
Aufbau:1994-1996
Baugruppe: Mainfranken - Frankenhöhe
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Besonderheiten

Brauen im Hofbrauhaus aus Kraisdorf

Mit dem Hofbrauhaus aus Kraisdorf besitzt das Fränkische Freilandmuseum neben dem Kommunbrauhaus (Nr. 38) eine weitere Braustätte mit vollständiger, komplett funktionstüchtiger Ausstattung. Das Grundprinzip des Brauens ist bei beiden Anlagen relativ gleich, der Weg von den Zutaten zum fertigen Endprodukt gestaltet sich beim älteren Hofbrauhaus aber noch als sehr arbeitsintensiv und schweißtreibend.

 

In der Gerstenweiche aus Sandstein werden Gerstenkörner in Wasser eingeweicht. Zum Keimen kommt die eingeweichte Gerste dann auf die Malztenne unter dem Dach. In der Malzdarre werden die Gerstenkörner getrocknet, der Keimvorgang damit abgebrochen.

 

Wasser kommt aus einem Pumpbrunnen im Vorraum und gelangt über eine Rinne in das Innere. Mit geschrotetem Malz wird das Wasser im Sudkessel erhitzt. Der Schürraum befindet sich in der Vorhalle. Das Mischen von Wasser und Malz erfolgt per Hand mit dem sog. Maischescheit. Mit Schöpfern wird die Maische anschließend in den hölzernen Maische- und Läuterbottich gefüllt. Beim Abläutern setzen sich die festen Bestandteile am ebenfalls hölzernen Senkboden ab. Die flüssige Würze fließt durch ein Spundloch am Boden in den Läutergrand, einem Holztrog, eingestellt in eine einfache Bodengrube zwischen Maischebottich und Sudkessel. Aus diesem Trog wird die Würze zurück in den Sudkessel geschöpft und mit Hopfen gekocht.

 

Über eine Holzrinne gelangt der Sud dann in das Kühlschiff, eine große rechteckige Wanne aus getriebenen Eichenbalken. Der abgekühlte Sud fließt über eine weitere Holzrinne in die Gärkufen, große Bottiche aus Eichenholzdauben. Hier erfolgt die Hauptgärung. Zum Nachgären wurde die Würze in Felsenkeller transportiert, wo sie in großen Fässern schließlich zu Bier reifte.


Beschreibung

Historische Brautechnik

Bis um 1960 wurde im vollständig mit Einrichtung und Gerätschaften erhaltenen Brauhaus in Kraisdorf noch Bier gebraut. Dabei hat sich ein Zustand bewahrt, wie er trotz Erneuerungen so oder ähnlich sicher auch schon vor zwei oder gar noch mehr Jahrhunderten gegolten hat: ein von außen befeuerbarer, eingemauerter Sudkessel und ein hölzerner Maischebottich, hinzu kommen das Kühlschiff in einer Kammer und eine Malzdarre im Dachraum. Es gibt noch keine mechanischen Einrichtungen zum Rühren und Befördern, keine Motoren und Transmissionen, alles muss noch mit der Hand gemacht werden. Anstelle von Pumpen und Leitungen stellen hölzerne Rinnen die Verbindungen her.

 

Brauen für den Eigengebrauch

Beim Brauhaus aus Kraisdorf handelt es sich um eine »Zwergbrauerei« – so heißt es auch in den Unterlagen des einst zuständigen Zollamtes Ebern. Der Zoll führte früher eine strenge Aufsicht über jeden Liter Gebräus, wie es heute nur noch für das Schnapsbrennen gilt. Diese Aufsicht galt, obwohl oder gerade weil auf dem Anwesen in Kraisdorf – ein Mühlenanwesen, dessen Braurecht immerhin schon seit 1650 nachweisbar ist – kein Schankrecht lag, d. h. es durfte nicht gewerblich genutzt werden. Was erzeugt wurde, musste in der eigenen Familie, im eigenen Haushalt verbraucht werden – immerhin 4.000 Liter im Jahr (der Ausstoß von zwei Suden zu je 20 hl)!

 

Ein Multifunktionsgebäude

Das Gebäude war aber nicht allein ein Brauhaus. Neben dem Sudkessel und der Malzdarre fanden sich unter seinem Dach weitere feuergefährliche Einrichtungen: ein Backofen, eine Räucherkammer, vermutlich auch ein Waschkessel. Außen, unter einem später (1842) angeschleppten Vordach, liegt der Brunnen, dessen runde Sandsteineinfassung die Jahreszahl 1737 enthält.

 

Im Museum

Dieses »bierhistorische Kleinod« konnte vom Museum samt vollständig erhaltener, originaler Einrichtung übernommen werden. Der Abbau und Wiederaufbau erfolgte weitestgehend in großen Wandteilen, so dass auch das Außenmauerwerk aus Eckquadern und Bruchsteinen im ursprünglichen Verband blieb. Dass die Braustätte trotz ihrer Urtümlichkeit voll funktionsfähig ist, wird im Museum jährlich einmal unter Beweis gestellt. Ende April wird ein Sud angerichtet – ohne moderne Zusatzgeräte, alles mit der Hand. Auch in Kraisdorf wurde übrigens nur zweimal im Jahr gebraut: einmal um »Georgi« (23. April) – dieser Tag galt früher als klassischer Brautermin, bevor mit den wärmeren Außentemperaturen das Brauen eingestellt werden musste – und um »Michaeli« (29. September), wenn die Nächte wieder kühler werden.


Bilder


Summary (English)

The Hofbrauhaus (court brewery) from Kraisdorf near Haßberge is a single-storey solid-stone building with half-timbered inner walls. It has been altered several times, but the original building dates back to 1699. It served as a brewery until around 1960 - albeit only for private use by the farm and sawmill it belonged to - and contains the complete set of original equipment and utensils. Here, all work still hat to be performed manually - without machinery or electric motors.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Note: 1
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja
  • Eingangsbreite: 66/135 cm (zweiflüglich)
  • Eingangsschwelle: schwellenlos
  • Zwei Zugangswege: über den Biergarten durch ein Gartentor mit 94 cm Breite, durch ein 99 cm breites Tor über 3 Steinstufen
Fotoaufnahme des Eingangs zum Hofbrauhaus aus Kraisdorf. Die rechte Hälfte der zweiflügligen Holztür ist nach außen geöffnet. Der Boden außen und innen ist mit unregelmäßigen Steinplatten gepflastert.

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