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Jagdschlösschen aus Eyerlohe

Mainfranken - Frankenhöhe

Ein ungewöhnlicher Bau für ein Freilandmuseum ist das einst den Freiherrn von Eyb gehörende, bescheidene Schlösschen aus Eyerlohe (1778). Obwohl es kaum größer als ein normales Bauernhaus ist, besitzt es eine völlig andere Struktur. Im Innern befindet sich eine Ausstellung zur Jagdgeschichte Frankens.


Eckdaten

Hausnummer:54
Ursprung:Eyerlohe, Gemeinde Aurach, Landkreis Ansbach
Bauepoche:1778 (archivalischer Hinweis, Inschrift auf Fachziegel)
Ausstellung:weitgehend Bauzeit
Konstruktionsmethode:eingeschossiger, verputzter Massivbau auf hohem Kellergeschoss, Mansardenwalmdach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:2004-2005
Aufbau:2005-2009
Baugruppe: Mainfranken - Frankenhöhe
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Besonderheiten

Die historische Jagd

Diente die Jagd einst zur allgemeinen Nahrungsversorgung, so entwickelte sie sich etwa seit dem 8. Jahrhundert zu einem Privileg des Adels. Waldgebiete wurden zu herrschaftlichen Hoheitsgebieten, zu sog. Bannforsten, erklärt, das Wild zum Eigentum des Landesherrn. Die heute noch gebrauchten Begriffe »Hochwild« und »Niederwild« leiten sich aus dem damals geltenden Recht ab: Die »Hohe Jagd« behielt sich der Hohe Adel vor, im Markgrafentum Brandenburg-Ansbach gehörten dazu Hirsche, Wildschweine und Auerhähne. Dem Niederen Adel verblieb das »Niederwild«, also kleinere Tiere wie Füchse, Hasen, Reh- und Federwild.

 

Die Jagd galt als vornehme Fürstentugend. Sie diente neben der Körperertüchtigung auch der Ausbildung von Mut, Ausdauer und Disziplin und wurde noch im 17. Jahrhundert als Vorbereitung auf das Kriegshandwerk angesehen. Sie war aber auch stets ein gesellschaftliches Ereignis innerhalb der adeligen Standeskultur und als solches einer festlichen Inszenierung unterworfen. An ihren Höfen praktizierten die Landesherren unterschiedlichste Formen der Jagd. Die drei wichtigsten großen höfischen Jagdmethoden waren das »Eingestellte« oder »Deutsche Jagen« (Hetzjagd), die »Parforce-Jagd« (Hetzjagd auf ein einzelnes Stück Wild) und die »Beizjagd« (Jagd mit abgerichteten Greifvögeln).

 

Mit dem Wandel der Lebensanschauungen im Zeitalter der Aufklärung und den gesellschaftlichen Umwälzungen im Zuge der Französischen Revolution kamen die Prunkjagden aus der Mode. Sie entsprachen nicht mehr dem herrschenden Zeitgeist, der auch ein anderes Naturverständnis hervorbrachte. Mit der bürgerlichen Revolution von 1848 war das Jagdprivileg des Adels endgültig gebrochen.


Beschreibung

Maison de plaisance

Mit dem Schlösschen aus Eyerlohe kam erstmals ein Gebäude mit adeliger Herkunft ins Freilandmuseum. Es handelt sich kunsthistorisch betrachtet um eine sog. »Maison de plaisance« nach französischem Vorbild, also um ein »Sommerhauß«, wie es in den historischen Quellen heißt, wo sich die adelige Gesellschaft frei von höfischer Etikette zu Festlichkeiten, vielleicht auch zur Jagd traf. Erbauen ließ es Friedrich Carl Alexander von Eyb (1743–1813), Hof-Regierungsrat und Kammerherr am Hofe des letzten Markgrafen in Ansbach, am südlichen Ortsrand des kleinen Dorfes Eyerlohe. Die Freiherrn von Eyb sind ein altes fränkisches Adelsgeschlecht, das im Mittelalter mehrere Bischöfe in Eichstätt und Würzburg stellte, mit Albrecht von Eyb einen der ersten Dichter in neuhochdeutscher Sprache in seiner Ahnenreihe hat und bis heute in Franken Besitzungen unterhält.

 

Ansbacher Barock

Das Eyerloher Schlösschen stellt im gewissen Sinn die »Minimalform« eines barocken Landschlösschens dar. Vom Bauvolumen her wird es von so manchem Bauernhaus spielend übertroffen. Es ist ein schlichter, aber in den Proportionen und der Gliederung durchaus nobler und charakteristischer Bau in der Nachfolge des ja eher strengen »Ansbacher Barocks« eines Johann David Steingruber: hoher, massiver Kellersockel, dreiteiliger symmetrischer Grundriss mit Gartensaal in der Mitte und zwei schmäleren Seitenflügeln unter einem Mansardwalmdach. Für den Entwurf verantwortlich zeichnet der Ansbacher Stadtzimmerermeister Daniel Zehender (auch Zehder geschrieben), der mehrfach für den Freiherrn von Eyb tätig war.

 

Schlicht und edel

Der hohe und lichte Saal enthält eine ungewöhnliche, in Gipsstuck ausgeführte Täfelung, schlichte Stuckränder betonen die Raumkanten. Das Mansardgeschoss ist vollständig ausgebaut, über dem Gartensaal liegt ein dreifenstriges Zwerchhaus mit einer beheizbaren »Stube«. Die Außenwände sind in Backstein gemauert, die Innenwände bestehen aus verputztem Fachwerk, der Keller aus Sandsteinen. Große Malereien kamen bei den Befunduntersuchungen kaum zum Vorschein, wenn man von einer Art Mittelrosette des Deckenfeldes absieht, dafür war man bei den verwendeten Farbpigmenten für die Stuckkassetten nicht geizig: Lapislazuli als strahlendes Blau, Malachit (aus dem Edelstein gewonnen), Schweinfurter Grün und Zinnoberrot kamen hier zum Einsatz.

 

Kochen im Keller

Im nur halb eingetieften Keller des Hauses finden sich die Küche mit aufgemalten Fliesen, ein Ausguss aus Stein und ein offener Herd (der beim Wiederaufbau zum Teil rekonstruiert werden musste). Überhaupt verdient das ausgeklügelte, aus vier engen Kaminen bestehende Heizsystem des Hauses Beachtung. Die strukturellen Unterschiede zum bäuerlichen Haus der Zeit, wo in der Regel nur die Stube beheizbar war, werden hier besonders augenfällig.

 

In bäuerlichem Besitz

Im 19. Jahrhundert verlor der adelige Landsitz für die Freiherren von Eyb offenbar an Bedeutung. Jedenfalls ging das Schlösschen 1856 in bäuerlichen Besitz über und wurde fortan als Wohnhaus genutzt. Für die bäuerlichen Anforderungen war das Gebäude eigentlich nicht konzipiert, eine Küche im Keller vollkommen unpraktisch, ein Gartensaal völlig unnötig! Dementsprechend wurde das Raumprogramm des Schlösschens den neuen Bedürfnissen angepasst, in einer Kammer beispielsweise eine Schankstube für die Dorfgesellschaft eingerichtet. Später diente das Gebäude nur mehr als Abstellmöglichkeit für Viehfutter, Getränke und landwirtschaftliches Gerät. Einst am Ortsrand von Eyerlohe errichtet, stand das Schlösschen zuletzt inmitten einer modernen Hofanlage und sollte einem Neubau weichen. Nur durch die Übernahme ins Museum konnte dieses Zeugnis adeligen Landlebens der Nachwelt erhalten werden.

 

Im Museum

Eine Übertragung des relativ kleinen Bauwerks in ganzen Wandteilen stellte trotz der massiven Außenmauern kein Problem dar. Beim Wiederaufbau wurde prinzipiell der Erbauungszustand anvisiert, entsprechend die historischen Farbfassungen wiederhergestellt. Auch die beiden Aborte – einer für die Bediensteten, einer für die adeligen Bewohner – konnten sicher rekonstruiert werden. Zur barocken Ausstattung fanden sich keinerlei Hinweise, von einer Einrichtung im Stil der Erbauungszeiten wurde daher abgesehen. Eingerichtet wurde dagegen die einstige Schankstube im Erdgeschoss im Stil der 1960er Jahre nach den Erinnerungen des letzten Besitzers, ein Verweis auf die jüngere Vergangenheit des Gebäudes.

 

Allein auf weiter Flur

Im Museum hebt sich das Schlösschen nicht nur durch seine Architektur, sondern auch durch seine exponierte Lage von der ansonsten bäuerlich-ländlichen Bebauung ab. Als Standort wurde ein frei stehendes Areal im Südwesten des Museumsgeländes bestimmt, was dem alten Standort am Rande des Dorfes Eyerlohe entspricht. Das etwas auf einem flachen Hügel liegende Schlösschen zeigt seine Schauseite wie am alten Standort nach Süden, also vom Dorf weg, in die offene Feldflur, eingerahmt von einem mit Hecken eingefassten Garten bzw. »Park«. Ermöglicht wurde der Wiederaufbau maßgeblich durch einen eigenen Förderverein, der seither auch die Nutzung mit Ausstellungen und Veranstaltungen unterstützt. Das Thema »Jagd« und seine Diskussion in der Öffentlichkeit liegt dem Verein dabei besonders am Herzen.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

An unusual building for this museum is the Schlösschen (small palace) from Eyerlohe near Ansbach, a modest hunting lodge which once belonged to the Freiherr von Eyb. Built 1778, the lodge is not much bigger than an average farmhouse, but ist architecture is very different, with a clear symmetrical design, a large cellar and the open, detached setting within its grounds. The interior now houses a small exhibition about the history of hunting in Franconia.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:nein

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