Blick in die Vergangenheit
Ein Tischler ist bei seiner Arbeit in der Werkstatt zu erleben, während auf den Wegen ein Kaufmann mit seiner Ware unterwegs ist und in der Schule das Fräulein Lehrerin vom unterschiedlichen Stellenwert eines „sehr gut“ im Zeugnis erzählt. Am 11. und 12. Juli werden dezentral im Museumsgelände verschiedene Zeitepochen erlebbar, besonders weit fällt der Sprung in die Vergangenheit bei der Schwarzen Schar aus Ohrenbach aus, die am Samstag das Mittelalter lebendig werden lässt.
Die Mitglieder der Schwarzen Schar, die regelmäßig bei den Reichsstadtfesttagen in Rothenburg ihr historisches Lager aufschlagen, nehmen Besucherinnen und Besucher in die Zeit der Bauernkriege im 16. Jahrhundert mit. Wegen einer Baumaßnahme in der Baugruppe Mittelalter geben sie samstags vor dem Flachsbrechhaus in der Baugruppe Technik Einblicke, wie vor rund 500 Jahren gearbeitet und gelebt wurde. Gegründet hat sich die Schwarze Schar in der Zeit der Bauernkriege, um für ihre Rechte zu kämpfen, im Freilandmuseum zeigen Mitglieder ihr handwerkliches Geschick, unter anderem werden Seile aus Naturfasern gedreht, es wird geschnitzt und werden Schürzenbändel gewebt.
Zeitfenster in die Vergangenheit werden auch im Schulhaus aus Pfaffenhofen und Bauernhaus aus Herrnberchtheim geöffnet, dort schlüpfen Museumsführerinnen in die Rolle des Fräulein Lehrerin beziehungsweise der Bäuerin Markert in der Zeit um 1900. Lehrerinnen hatten gegenüber ihren männlichen Kollegen vielerorts einen schweren Stand, nicht nur auf dem Land. Beispielsweise waren im ausgehenden 19. Jahrhundert in Nürnberg nur Männer als Volksschullehrer zugelassen. Bereits 1821 war in Bayern das sogenannte Lehrerinnenzölibat eingeführt worden, wonach Frauen, die unterrichten wollten, unverheiratet und kinderlos sein sollten. Heirateten sie doch, mussten sie aus dem Schuldienst austreten und verloren ihre Ansprüche. Von mancher Ungleichbehandlung ist daher bei den Erzählungen des Fräulein Lehrerin die Rede, aber auch von damals üblichen Unterrichtsmethoden.
In der Baugruppe Regnitzfranken-Frankenalb beleben Mitglieder von Living-History-Gruppen an beiden Tagen einzelne Gebäude. Unter anderem im Hopfenbauernhaus aus Eschenbach und dem Bauernhaus aus Oberzettlitz plaudern sie aus dem Nähkästchen, wie es sich so lebte in der Zeit um 1800.





