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Ziegelhütte aus Aisch

Technik & Gewerbe

Die Ziegelhütte aus Aisch (bei Höchstadt) wurde 1835 erbaut. Sie ist ein eingeschossiger Sandsteinbau

mit einem großen Brennofen; unter seinem Halbwalmdach wurden die Ziegel in langen Regalen getrocknet. Sie wird im Museum zur Herstellung von Dachziegeln genutzt.


Eckdaten

Hausnummer:106
Ursprung:Aisch, Gemeinde Adelsdorf, Landkreis Erlangen-Höchstadt
Bauepoche:1835 (Jahrringdatierung)
Ausstellung:wie vorgefunden
Konstruktionsmethode:eingeschossiger Massivbau, Halbwalmdach mit Biberschwanz-Einfachdeckung
Abbau:1989/90
Aufbau:1994-2000
Baugruppe: Technik & Gewerbe
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Besonderheiten

Ziegler - ein anstrengender Beruf

Die vorindustrielle Ziegelherstellung war eine körperlich überaus anstrengende Tätigkeit: Vom Graben und Aufbereiten des Lehms bis hin zum Einräumen der Brennöfen geschah alles in Handarbeit. Erschwerend kam hinzu, dass das Ziegeln lange Zeit nur in der frostfreien Jahreszeit möglich war. Traditionell begann die Ziegelsaison am Josefitag (19. März) und endete mit dem Gallustag (16. Oktober). Diesen Zeitraum galt es möglichst effektiv zu nutzen, Arbeitszeiten von 14 bis 17 Stunden täglich waren daher keine Seltenheit. Eine normierte Ausbildung zum Ziegler gab es bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht, der angehende Ziegler lernte sein Handwerk in erster Linie aus der Praxis heraus – meist schon von Kindesalter an. Wer alle Arbeitsabläufe der Ziegelherstellung beherrschte, wurde Geselle. Meister durfte sich nennen, wer sich auf die Kunst des Ziegelbrennens verstand und eine eigene Ziegelhütte leiten konnte. Die aufkommende Industrialisierung brachte schließlich das traditionelle Zieglerhandwerk zum Erliegen. Moderne Pressen und neue Brennofensysteme ermöglichten eine mechanisierte Fließbandproduktion. Und dank der Eisenbahn konnten die industriell hergestellten Ziegel kostengünstig in die entlegendsten Winkel transportiert werden.


Beschreibung

Eine vorindustrielle Ziegelei

Die Ziegelhütte aus dem kleinen Dorf Aisch stammt von 1835, vermutlich auf älterer Grundlage. Sie war eine von insgesamt drei Ziegelhütten im Ort. Bis etwa 1927 produzierte man hier vorwiegend Dachziegel – noch gänzlich vorindustriell, im arbeitsintensiven Handstrichverfahren. Nach der Einstellung des Betriebs wurde der Ofen oberirdisch abgebaut und darüber eine Wohnung errichtet. Die Ziegelhütte selbst diente fortan als Scheune für Heu und Getreide, in einem angebauten Flügel (dessen Dachstuhl beim Aufbau einer Wagenremise im Hof der Aumühle (Nr. 6/7) Verwendung gefunden hat) waren Stallungen untergebracht. Alles unter einem Dach Der Bau aus großen hellgrauen, roh zugehauenen

Sandsteinquadern wies im Innern eine große Halle auf, wo die Ziegler den Lehm aufbereiteten und die Ziegel formten. Getrocknet wurden die Ziegel-Rohlinge in langen Regalen im Erdgeschoss, sofern es der Raum neben den Arbeitsplätzen zuließ, sowie im großen Dachraum darüber; weitere Regale gab es außerhalb. Markant sind in diesem Zusammenhang die zahlreichen kleinen Maueröffnungen in der östlichen Giebelwand, die der besseren Durchlüftung des Gebäudes zum Trocknen der Ziegel dienten. Das hintere Drittel des Gebäudes nahm schließlich der Brennraum ein, der von 1,5 m starken Sandsteinquaderwänden begrenzt wurde. Somit waren alle Arbeitsschritte des Zieglers unter einem Dach vereint. Der Brennofen Der Brennofen selbst, mit zwei Schüröffnungen, war vertieft angelegt, zu ihm führten Treppen hinab. Im Unterschied zum Brennraum darüber, war er beim Abbau noch größtenteils erhalten. Die beiden halbrunden Schüröffnungen aus Backsteinen mit den umgebenden Steinquadern konnten in großen Stücken geborgen werden. Innen war der Ofen nochmals mit mehreren Schichten Backsteinen verkleidet bzw. isoliert, um so die Hitze möglichst lange im Brennraum halten zu können. Neben dem Brennofen befand sich die Kalkkammer, in der nach dem Brennen der Kalk aufbewahrt wurde, denn es war lange üblich, Kalk und Ziegel in einem Vorgang zu brennen. Insofern war es eine Kalk- und Ziegelbrennerei.

 

Im Museum – Denkmal und Produktionsstätte

Im Museum erfüllt die Aischer Ziegelhütte gleich mehrere Aufgaben: Sie ist zuallererst ein kulturhistorisches Denkmal der vorindustriellen Ziegelherstellung. Darüber hinaus ist sie Produktionsstätte, in der Ziegel nach historischem Vorbild hergestellt werden können – und zwar nicht nur für den musealen Eigengebrauch. Sie bietet gleichzeitig die Möglichkeit, diese Handwerkstechniken in pädagogischen Programmen den Museumsbesuchern zu vermitteln. Als »Laborwerkstatt« ist sie auch Ausrichtungsort für experimentelle Bauforschung und regelmäßige Wirkungsstätte studentischer Seminargruppen verschiedener Fachrichtungen. Und zuletzt beherbergt sie im Dachgeschoss die über 1.000 Objekte zählende Dachziegelsammlung des Museums.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

The Ziegelhütte (clayworks) from Aisch near Höchstadt was built in 1835. It is a single-storey sandstone building with a large kiln. Beneath its half-hipped roof are long shelves where roof tiles were dried before firing. The pottery kiln here at the museum is used for the production of handmade roof tiles in special sizes and formats to restore historic roofs.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja

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