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Aumühle aus Eyb

Eingangsbereich

Die Aumühle aus Eyb bei Ansbach wurde 1599 erbaut. Ihr reich gestaltetes Äußeres verrät den repräsentativen Anspruch der einstigen Bewohner. In der Aumühle sind Museumsleitung und -verwaltung untergebracht.


Eckdaten

Hausnummer:7
Ursprung:Eyb, Stadt Ansbach
Bauepoche:1599 (Jahrringdatierung, umgebaut u. a. 1679 (Inschrift), 1705 (Jahrringdatierung)
Ausstellung:weitgehend wie vorgefunden, mit modernen Büroeinbauten
Konstruktionsmethode:zweigeschossiger Bau mit massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss (z. T. nachträglich massiv erneuert), Satteldach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:1987
Aufbau:1988-1990
Baugruppe: Eingangsbereich
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Besonderheiten

Glaubensflüchtlinge: Österreichische Exulanten in Franken

Als Exulanten werden jene Protestanten bezeichnet, die im Zuge der Gegenreformation aus den habsburgischen und anderen katholisch beherrschten Gebieten oder rekatholisierten Ländern vertrieben worden sind. Tausende solcher Glaubensflüchtlinge emigrierten nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Österreich und ließen sich in Franken nieder – wie z. B. auch Hans Schrenk aus der Födtmühle bei Krems (Niederösterreich), seit 1661 Besitzer der Aumühle. In ihrer neuen Heimat waren die Zuwanderer mehr als willkommen, leisteten sie doch einen erheblichen Beitrag beim Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften. In vielen Dörfern Ober- und Mittelfrankens machten Exulanten zwischen 25 % und 50 % der Einwohner aus, nachdem die einheimische Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg stark dezimiert worden war. Die Gesamtzahl der Exulanten wird auf rund 100.000 geschätzt – eine enorme Zahl für die damalige Zeit. Die Integration funktionierte aber offenbar ohne Probleme, schon in kürzester Zeit waren Franken und Österreicher auch familiär fest verbunden. Geblieben sind die typischen Exulantennamen, die bis heute auf die österreichische Herkunft einer Familie hindeuten.


Beschreibung

Repräsentativer Mühlenbau

Bereits das Äußere der Aumühle aus Eyb kündet vom repräsentativen Anspruch der Bewohner: das rundbogige Portal in Hausmitte mit Rustikaquaderung, die profilierten Fensterstöcke mit schmiedeeisernen, z. T. vergoldeten Gittern sowie der kräftige Sandsteinwestgiebel samt muschelförmiger Giebelbekrönung. Dies setzt sich im Innern fort mit den zahlreichen farbigen Gliederungen der Wände bis hin zu Malereien auf Holzdecken. Das alles zeugt von Ansehen und Wohlstand der Aumüller, die sich spätestens seit dem 16. Jahrhundert auch Wassergrafen nennen durften, ein Vertrauensamt zur Kontrolle der Wasserrechte und -pflichten. Hinsichtlich Größe, Alter und Bedeutung weist die Aumühle viele Parallelen zur Mühle aus Unterschlauersbach (55) auf – auch was die komplizierte Baugeschichte anbelangt.

 

Ständiger Umbau

Die ältesten Balken lassen sich auf das Jahr 1599 datieren, vom Ursprungsbau haben sich aber nur wenige Bauteile erhalten. Es scheint, als wurde die Aumühle im Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Jedenfalls erwarb im Jahr 1661 der österreichische Exulant Hans Schrenk ein sehr reparaturbedürftiges Anwesen, das er und seine Nachkommen einem kontinuierlichen Wandel unterzogen: Der ursprünglich reine Fachwerkbau wurde nach und nach fast vollkommen »versteinert« (nur am Ostgiebel findet sich noch Fachwerk), nachträglich um 5 m verlängert und in seiner Grundrissstruktur mehrmals verändert. Vor allem die unterschiedlichen Fensterformen und -formate zeugen bis heute von den ständigen Umbauten der letzten vier Jahrhunderte.

 

Verlorene Mühlentechnik

Von der technischen Ausstattung war beim Abbau durch das Freilandmuseum so gut wie nichts erhalten, lediglich drei gusseiserne Doppelsäulen aus dem 19. Jahrhundert, die einst die Mahlgänge im Obergeschoss trugen. Ursprünglich besaß die Aumühle drei Wasserräder, die aber schon 1880 durch eine Turbine und zusätzlich durch eine Dampfmaschine ersetzt wurden: aus der Aumühle war eine »Kunstmühle« geworden, d. h. eine durch die »Ingenieurskunst« modernisierte Mühle. 1909 wird im Übergabevertrag an Johann Friedrich Schrenk die Einrichtung eines Sägewerks und einer Dampfmühle erwähnt, das Mühlanwesen entwickelte sich hin zu einem kleinen Industriebetrieb. Doch nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Mühlbetrieb in finanzielle Schwierigkeiten, 1921 wurde die Dampfmaschine wieder abgebaut. 1961 gab man den Mühlenbetrieb auf und mit der Verlegung der Rezat 1974 kam zwangsläufig auch noch die Stromgewinnung zum Erliegen.

 

Im Museum als Verwaltungsgebäude genutzt

Das Ende des Mühlbetriebs läutete dann den endgültigen Verfall ein, das einst stattliche Gebäude war zuletzt akut in seinem Bestand gefährdet, ehe es vom Freilandmuseum geborgen wurde. Im Museum konnte die gesamte Hofanlage, in etwa so, wie sie sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts darbot, mit den Nebengebäuden und den Hof einfassenden Mauern und ergänzt durch den Stadel aus Betzmannsdorf, wiedererstehen. Der Waschküchen- und Backofenanbau, der wohl bis ca. 1970 bestanden hatte, wurde nach alten Fotos und Plänen rekonstruiert. Abgesehen von der Lage direkt am Wasser gibt es im Museum aber keinen Bezug mehr zur Mühlennutzung. Stattdessen ist die Aumühle heute Sitz der Museumsleitung und -verwaltung und für Besucher daher nur eingeschränkt zugänglich.


Bilder


Bilder vom Ursprung


Summary (English)

Next to the Stadel from Betzmannsdorf, behind a wall, is the Aumühle (mill) from Ansbach, built in 1599 and substantially modified during the 17th century. The interior of the mill is not open to the public, but accommodates the museum offices and seminar rooms for museum staff, as well as archives and storage rooms.


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:
Eingangsschwelle:
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja
  • Erdgeschoss zugänglich

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