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Gasthaus aus Oberampfrach

Eingangsbereich

Ein nahezu herrschaftlicher Bau ist das ehemalige Gasthaus zur Krone aus Oberampfrach (1704/05), in dem einst auch Gericht behalten wurde. Genutzt als "Wirtshaus im Freilandmuseum", befinden sich im Obergeschoss befinden wie früher Gaststuben und ein Tanzsaal mit alter Einrichtung.


Eckdaten

Hausnummer:2
Ursprung:Oberampfrach, Gemeinde Schnelldorf, Landkreis Ansbach
Bauepoche:1704/05 (archivalischer Hinweis), 1885 Umbau
Ausstellung:Bauzeit, West- und Nordseite im Zustand nach dem Umbau von 1883
Konstruktionsmethode:zweigeschossiger Bau mit massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss, Mansardwalmdach mit Biberschwanz-Doppeldeckung
Abbau:1977-1978
Aufbau:1979-1980
Baugruppe: Eingangsbereich
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Besonderheiten

Ähnlichkeiten mit Hohenlohe

Die starke Separierung von Wohnung und Stall erinnert stark an die langgestreckten »Hohenloher« Bauernhäuser, die auf jetzt württembergischer Seite in der Zeit um 1800 als fester Bautyp die Dörfer beherrschten. Auch bei ihnen enthält das Erdgeschoss dieStallungen, das Obergeschoss die Wohnung, der Eingang liegt ebenfalls in Traufenmitte. Das Gasthaus Zur Krone aus Oberampfrach scheint einer der besten Vertreter dieses heute in Mittelfranken fast ausgestorbenen Typs zu sein, ein Bau freilich, der in seiner Konsequenz und seinem repräsentativen Anspruch sich weit über die älteren Vorgänger und meist auch über die jüngeren Nachläufer erhebt. Davon zeugt auch das in Mansardform ausgebildete Vollwalmdach, das einzige seinerzeit wirklich »moderne« Element, hier fast 100 Jahre vor seiner modehaften Verwendung im ländlich-bäuerlichen Hausbau Frankens.


Beschreibung

Wirtshaus seit 1705

Am 1. November 1704 erhielt laut Akten der Bauer Hans Georg Krauß, ein vermögenderMann, vom Ansbacher Markgrafen die beantragte »Taferngerechtigkeit« bewilligt, die Erlaubnis also, Gäste zu beherbergen, warme Speisen zu verabreichen und Hochzeiten, Kindstaufen mund Leichenmähler zu halten – mit der Auflage, umgehend mit dem Bau einer Taverne, also eines Wirtshauses, zu beginnen. Dies hat Hans Georg Krauß offensichtlich auch getan, denn die Jahrringuntersuchung des verbauten Holzes ergab, dass es im Herbst 1704 gefällt wurde; 1705 muss dann das Haus fertig geworden sein. Eine vollkommene Übereinstimmung von archivalischer und naturwissenschaftlicher Datierung! 1706 wird das Haus mit seinen »Zugehörungen« erstmals beschrieben: Eine Tavern Wirthschafft und Praugerechtigkeit, dazu 28 ha Land, wovon allein 10 ha Wald sind, 5 Pferde, 1 Fohlen, 2 Ochsen, 12 zwei- und einjährige Stiere, 6 Kühe, 2 Kalben (Jungkühe), 6 Kälber, 5 Schweine – ein respektabler, aber nicht übertriebener Besitz.

 

Mehr als ein Gasthaus?

Im Tanzsaal der neu geschaffenen Wirtschaft – Oberampfrach hatte zuvor offenbar kein so großes Gasthaus – wurde auch Gericht gehalten, erstmals belegt 1708, eine in der Gegend übliche Praxis. Nach der archivalischen Überlieferung handelt es sich bei diesem 1705 erbauten Haus um ein »normales«, ortsübliches Gasthaus mit Brauerei (vom Brauhaus hat sich nichts erhalten). Das fast herrschaftliche Aussehen mit der auf Symmetrie bedachten Südfassade lässt daran aber gewisse Zweifel aufkommen. Immerhin wusste die letzte Besitzerin noch zu berichten, dass es sich bei dem Gasthaus einst um ein fürstliches Gebäude gehandelt habe. Dazu jedenfalls würde die äußere Erscheinung des Hauses sehr viel mehr passen als zu einem einfachen »Bauernwirtshaus « – noch mehr, wenn man weiß, dass einst ein hoher Zwerchgiebel die Hausmitte zierte, in dem eine heizbare Stube untergebracht war.

 

Tiefgreifender Umbau

Die Familie Krauß, die seit dem 17. Jahrhundert die Hofstelle innehatte, behielt das Gasthaus bis weit ins 19. Jahrhundert. 1885 wurde das ganze Anwesen von Johann Friedrich Ackermann aus dem Dorf Sachsen bei Leutershausen gekauft, der das Haus sofort umbauen ließ. Die wesentlichsten Teile, vor allem das Obergeschoss, blieben erhalten, das Erdgeschoss aber wurde durch die Verlegung der Gaststube vom Obergeschoss in die gewohnte Lage zu ebener Erde sehr stark verändert – und damit zugleich der Grundstein für den Verfall gelegt, da damals für die Statik wichtige Bauteile des einstigen Stalles entfernt wurden. Im Museum wurde nach Westen der Umbauzustand mit den großen Fenstern für die spätere Gaststube beibehalten, während nach Süden zu der Erstzustand mit den fünf rundbogigen Türen wiederhergestellt ist. Die Nordseite erhielt eine prächtige Eingangstür, die ursprünglich zu einem Wirtshaus in Reuth unter Neuhaus (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen) gehörte.

 

Bauliche Besonderheiten

Das Gasthaus aus Oberampfrach steht in seiner äußeren Erscheinung wie in seiner inneren Aufteilung ziemlich einzigartig da, zumindest in Mittelfranken. Das relativ zierliche Fachwerk mit den geschnitzten Kopfbügen weist eigentlich mehr ins 17. Jahrhundert und mehr nach Westen, ins Mainfränkische. Nur die großen Fenster mit ihren profilierten Rahmungen verraten die Zeit um 1700. Noch ungewohnter ist die bauezeitliche räumliche Gliederung: ein reiner Stallteil im Erdgeschoss und der Wohn- bzw. Wirtshausteil im Obergeschoss – normalerweise lagen Wohnung und Stall auf einer Ebene, im Obergeschoss waren nur zusätzliche Kammern untergebracht.

 

Im Museum

Das Gasthaus aus Oberampfrach war das erste Museumsgebäude, ja es stand bereits weit vor der eigentlichen Museumseröffnung 1982 an seinem heutigen Standort. An seinem alten Standort, Hs.-Nr. 21/22 in Oberampfrach, war das Gasthaus schon seit Jahren baufällig, ein Teil der Außenwände musste bereits abgestützt werden. Im Museum vor mdem Verfall gerettet, ereilte es am 20. Dezember 2003 ein trauriges Schicksal: Im Obergeschoss brach ein Brand aus, dem neben Teilen des Obergeschosses das Dachwerk zum Opfer fiel. Dank der guten Baudokumentation gelang es aber, alle verlorenen Bauteile detailgetreu zu rekonstruieren, so dass bereits im November 2004 hungrige und durstige Gäste im »Wirtshaus am Freilandmuseum« wieder bewirtet werden konnten.


Bilder


Summary (English)

The former Gasthaus zur Krone from Oberampfrach near Feuchtwangen is an almost staely building from 1705. The upper floor contains the former guest rooms and a dance floor with authentic furnishings. In line with ist traditional function, the building continues to be used as a restaurant ('Wirtshaus am Freilandmuseum').


Zugänglichkeit

Insgesamt:Gut zugänglich (Note: 2)
Eingangsbreite:95 cm
Eingangsschwelle:2 cm
Ergeschoss ist Barrierefrei:ja
  • Breite Eingangstür Biergarten 120 cm
  • Gaststube EG (Ochsenstall): Schwelle ebenerdig, Türbreite: 93 cm
  • Bodenbelag EG: Steinfliesen
  • Bodenbelag Außenbereich: grobes Pflaster
  • Biergarten frei zugänglich
  • Einschränkung: eigentliche Gaststube und Saal im OG, nur über 17-stufige Holztreppe mit Geländer zu erreichen.
Fotoaufnahme des Hintereingangs vom Gasthaus zur Krone am aktuellen Standort. Die zweiflüglige Holztür ist nach innen geöffnet. Darüber hängt ein Schild, auf dem „Gasthaus zur Krone“ steht. Der Boden vor dem Gebäude ist gepflastert, links ist ein Teil einer Menütafel erkennbar.
Fotoaufnahme des Haupteingangs vom Gasthaus zur Krone am aktuellen Standort. Zur nach innen geöffneten Holztür führt eine Steinstufe, darauf steht rechts eine Laterne mit Kerze. Davor liegt ein Fußabstreifer. Über der Tür hängt eine Lampe, links daneben ein Briefkasten.
Fotoaufnahme des Treppenaufgangs im Gasthaus zur Krone aus Oberampfrach. Die 17-stufige Holztreppe mit dem Geländer auf beiden Seiten führt in das Obergeschoss. Am Fuß der Treppe steht ein Stuhl aus Holz, die Wände und die Decke sind im Fachwerkstil gehalten.

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