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Frisuren für Generationen von Kindern

Der Stuhl ist aus Holz. Er ist drehbar. Er hat vier Stuhlbeine in geschwungener Form. Sie sind an einer Säule befestigt. Auf der Säule ist die Sitzfläche. An der Sitzfläche ist eine niedrige Lehne. Sie ist auch eine Armlehne. Auf dem Stuhl liegt ein Gerät zum Haare schneiden.

Kinderfriseurstuhl, Inv.-Nr. 26/30/1, im Museum seit April 2026. Der Handhaarschneideapparat stammt ebenfalls aus dem Friseursalon von Josef Stingl. Freundliche Spende von Norbert Stingl. (Foto: Frank Wittstadt)

Das Bild zeigt einen Friseursalon. In der Mitte ist ein Friseurstuhl. Auf dem Stuhl sitzt ein kleiner Junge. Er hat einen grauen Kittel an. Der Friseur schneidet dem Jungen die Haare. Auch der Friseur trägt einen grauen Kittel. Im Hintergrund sind Waschbecken und Spiegel.

Manche Kinder wurden auch auf einem großen Stuhl frisiert: Josef Stingl mit junger Kundschaft im Jahr 1985. (Quelle: Privatbestand Norbert Stingl)

In der Mitte steht der Friseur Josef Stingl. Er trägt ein Hemd und eine braune Weste. Links von ihm sitzt seine Ehefrau Franziska Stingl. Sie trägt einen hellblauen Kittel. Im Hintergrund sieht man Möbel des Friseurgeschäfts. Es sind Schränke, Vitrinen und Spiegel.

Franziska und Josef Stingl in ihrem Friseurladen in der Schmiedsgasse in Pretzfeld. (Quelle: Privatbestand Norbert Stingl)

Praktisches Arbeitsgerät und Spielzeug, dieser höhenverstellbare Kinderfriseurstuhl aus dem frühen 20. Jahrhundert war beides. Etwa sechzig Jahre lang stand er im Friseursalon von Josef Stingl (*1931, †2013) in Pretzfeld. Dort bildete der Stuhl ein Kernstück der Ausstattung und trug Generationen von Kindern durch den Haarschnitt. Dabei wurde er auch zum Zeitvertreib beim Warten genutzt, denn durch die Höhenverstellung kann die Sitzfläche wie ein Karussell im Kreis gedreht werden.

Auch Franziska Stingl, die Ehefrau des Friseurmeisters, nutzte die praktische Sitzgelegenheit für langwierige Arbeiten, beispielsweise wenn sie bei Kundinnen Locken eindrehte. Mit dieser Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten ist es kein Wunder, dass er noch bis zur Schließung des Salons im Jahr 2012 in Gebrauch war. Dass es dennoch Grenzen gab, zeigt die gebrochene vordere Stütze der Lehne, die nun durch zwei Schrauben gehalten wird. Dieser Schaden entstand als ein Erwachsener auf dem Stuhl Platz nehmen wollte und die Breite zwischen den Lehnen nicht mehr ausreichte …

Josef Stingl stammte aus dem sudetendeutschen Falkenau an der Eger (heute Sokolov, Region Karlovarský kraj, Tschechien). Dort hatte bereits sein Vater, der ebenfalls Josef hieß, einen Friseurladen betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte er sein Geschäft zunächst wieder eröffnen, doch im Mai 1946 wurde die Familie ausgewiesen. Nach Stationen in Bamberg, Ebermannstadt, Streitberg und Poppendorf lebte die Familie ab 1966 in Pretzfeld in einem eigenen Wohnhaus mit Friseurladen. Josef Stingl war längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten: Bereits 1945 hatte er bei ihm eine Lehre begonnen und 1948 erfolgreich abgeschlossen.