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Ikonen in den Händen einer Ikone

Mit Hasselblad und Nikon durch Frankens Baugeschichte

Die Kamera ist schwarz. Sie sieht aus wie eine Würfel. An dem Würfel ist ein rundes Objektiv. Daneben liegt eine kleine schwarze Schachtel. Sie ist ein Filmmagazin. Die Verpackung zum Magazin ist silber.

Mittelformatkamera Hasselblad 500 C/M mit Objektiv Planar HC 2,8/80 von Carl Zeiss, Inv.-Nr. 26/21/2. Links das passende Filmmagazin nebst Schachtel, Inv.-Nr. 26/21/4. (Foto: Franziska Filchner-Beck)

Die Kamera ist schwarz. Sie ist wie ein kleiner Kasten. Vorn am Kasten ist ein rundes OBjektiv. Oben auf dem Kasten ist ein Aufsatz. Durch ihn kann man das Bild suchen. Daneben sind Knöpfe und Regler.

Kleinbildkamera Nikon F3 HP mit Objektiv Mico-Nikkor 35mm F2.8, Inv.-Nr. 26/21/1. (Foto: Franziska Filchner-Beck)

Auf dem Bild ist ein junger Mann. Es ist Konrad Bedal. Er lacht und hält eine Kamera.

Immer mit Kamera unterwegs: der junge Konrad Bedal in den 1960er Jahren. (Quelle: Bildarchiv des Fränkischen Freilandmuseums, Bestand Konrad Bedal)

Vor einem Jahr, am 4. September 2025, verstarb der Gründungsdirektor des Fränkischen Freilandmuseums Prof. Dr. Konrad Bedal. Er war nicht nur einer der bedeutendsten Hausforscher Europas und Museumsvisionär, sondern auch Künstler und versierter Fotograf. Mit seinen Kameras dokumentierte er neben dem Museumsaufbau zahllose historische Gebäude, Dörfer und Kulturlandschaften – in Franken und wie darüber hinaus. Für beste Ergebnisse nutzte er vor allem in seiner Zeit als Museumsleiter professionelles Equipment, darunter zwei echte Klassiker.

 

Vom weltraumtauglichen Würfel …

Fotografien im Mittelformat erstellte Konrad Bedal mit der Kamera Hasselblad 500 C/M, ausgestattet mit einem Objektiv von Carl Zeiss. Ihre Urversion hatte der Schwede Victor Hasselblad bereits 1948 in New York vorgestellt. Ende der 1950er Jahre ging das C-Modell in Serie und wurde, in mehreren Varianten, bis in die 1990er Jahre hinein über dreihunderttausendmal produziert. Bedals Version C/M war zwischen 1970 und 1992 erhältlich.

Die komfortabel zu händelnde Kamera bildet zusammen mit allerhand Zubehör ein ganzes Foto-System. Bedienungskomfort und Bildqualität haben einen beinahe legendären Ruf, weshalb die Hasselblads noch heute im Profibereich eingesetzt werden und beliebte Sammlerstücke sind. Man fand und findet sie besonders oft in der ästhetischen Portrait- und Modefotografie – aber auch auf staubigen Straßen und in altem Gebälk macht der robuste Würfel eine gute Figur. Die Hausforschung bildet dabei nicht einmal den finalen Härtetest: Astronauten der NASA nahmen mehrere Hasselblads sogar mit auf den Mond – um sie aus Gewichtsgründen gleich dort zu lassen. 

 

… zum italienischen Edeldesign

Wenn es kompakter zugehen sollte, arbeitete Konrad Bedal mit der Kleinbildkamera Nikon F3 HP – einer analogen Spiegelreflexkamera, die von 1982 bis 2001 hergestellt wurde. Sie basiert auf der Nikon F3 und entwickelte sich schnell zum Standardmodell der Reihe. Die teurere HP‑Variante war besonders beliebt, da ihr Sucher auch für Brillenträger eine komfortable bot. 

Mit der F3 brachte Nikon erstmals eine Kamera auf den Markt, deren Verschluss elektronisch gesteuert wurde. Der integrierte Belichtungsmesser ist über ein kleines Fenster sichtbar. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen Selbstauslöser, ein doppeltes Kontrollsystem zur Vermeidung unbeabsichtigter Doppelbelichtungen und die Möglichkeit, motorisierte Antriebe für Serienaufnahmen zu nutzen. 

Das Gehäuse der F3 besteht aus Aluminium-Druckguss und Edelstahl, wodurch sie besonders stabil, staub- und feuchtigkeitsgeschützt ist. Für ihre ikonische Form zeichnet der italienische Industriedesigner Giorgretto Giugiaro verantwortlich, der zugleich einer der einflussreichsten Automobildesigner (u. a. Fiat, Maserati und Alfa Romeo) des 20. Jahrhunderts ist.

 

Ein kaum überschaubares Gesamtwerk

Nicht nur als Museumsleiter hat Konrad Bedal unzählige dokumentarische Fotos angefertigt. Bereits vor Dienstantritt verfügte er über einen Fundus von tausenden Aufnahmen. Rund 10.000 Fotos, vor allem aus den 1960er und 1970er Jahren, konnten noch unter der Mitarbeit Bedals (und seines verblüffenden Gedächtnisses) digitalisiert und mit Metadaten versehen werden. Seit einem Jahr sind sie auf der Online-Plattform bavarikon frei abrufbar. Eine Auswahl ist auch in Buchform unter dem Titel „Bauernhäuser vom Main zur Donau – Bilderreise in eine verschwundene Welt“ erschienen.

 

Quellen | Norbert Michalka: F3 – die letzte manuelle Profi-Nikon. URL: nikonclassics-michalke.de/blog/ | Winfried Warnke: Zu gut für diese Erde: Die Mittelformatkamera Hasselblad 50 CM (1970-1992). URL: www.fotomagazin.de/test-technik/vintage-vibes/vintage-vibes-hasselblad-500-cm/ [beide Links zuletzt aufgerufen am 20.08.2026]