Zum Hauptinhalt springen

Stark und unabhängig durch Spinat?

Die Schere hat Holzgriffe. An den Schneiden sind Blechkästen angebracht. Der Blechkasten schließt sich, wenn die Schere geschlossen wird.

Die Spinatschere aus Sommerhausen. Inv.-Nr. 25/44, im Freilandmuseum seit Februar 2025. Freundliche Spende von Bernd Michelfelder. (Foto: Frank Wittstadt)

An der Seite der Spinatschere steht ein Name. Der Name ist Adam Mündlein.

Wie viele andere Erntegeräte war die Spinatschere „personalisiert“ – so konnte sie ihrem Eigentümer und Anwender Adam Mündlein bei Verlust und Verwechselung wieder zugeordnet werden. (Foto: Frank Wittstadt)

In Sommerhausen am Main baute sich der Landwirt Adam Mündlein während des Zweiten Weltkrieges einen praktischen Erntehelfer: die Spinatschere. Bei der Ernte fängt sie die Blätter der Pflanze in einer Art Scherenkorb auf. So können sie dann schneller und sauberer in einem Sammelbehälter abgelegt werden.

In Sommerhausen und Umgebung wurde in der Zeit des Nationalsozialismus, vor allem in den Kriegsjahren, viel Spinat angebaut – auf Anordnung des Regimes. Die Landwirtschaft war ein eine wesentliche Säule der NS-Ideologie. Sie sollte ertragreich sein und qualitativ hochwertige Erzeugnisse liefern, um auch im Krieg eine möglichst unabhängige Versorgung des deutschen Volkes sicherzustellen. Während sich die tatsächlichen Erfolge in Grenzen hielten, waren die landwirtschaftlichen Bestrebungen Gegenstand einer kaum überschaubaren Propagandaflut.

Spinat galt schon damals als besonders wertvolles Lebensmittel. Er war leicht anzubauen und konnte bis zu ein Jahr lang gelagert werden. Ihm wurde ein hoher Nährstoffgehalt (v. a. Eisen) nachgesagt, und selbst in Pulverform galt er als vitaminreich. Er passte also gut zur Strategie der nationalen Selbstversorgung.

Doch nicht nur in Deutschland wurde Spinat aus solchen Gründen im großen Stil angebaut. In Amerika stellte man ihn sogar in Comics und Filmen zur Schau. Weltberühmt wurde die Zeichentrickfigur Popeye, die ihre Stärke durch den Verzehr von Spinat in Dosen erlangt. So konnte er seine Feinde bekämpfen – und Eltern dabei unterstützen, das Gemüse ihren Kindern schmackhaft zu machen.